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Samstag 18.08.2018

“Da ist uns erstmal mulmig geworden“

Kosta Rodrigues über den Pokalerfolg gegen Hertha

Im DFB-Pokal trafen die Löwen und Hertha BSC letztmals am 22. September 2004 aufeinander. Damals waren die Vorzeichen ähnlich: Die Eintracht, die 2004 in der drittklassigen Regionalliga Nord an den Start ging, war in der zweiten Runde gegen den Bundesligisten aus der Hauptstadt der klare Außenseiter. Und dennoch glaubten die Löwen an die Überraschung. Kosta Rodrigues, heute Sportlicher Leiter Fußballschule, stand in dieser Partie auf dem Platz und erinnert sich im Interview mit eintracht.com an den legendären 3:2-Sieg.

14 Jahre sind seit eurem Sieg im DFB-Pokal gegen Hertha BSC vergangen. Denkst du vor dem Spiel am Montag häufiger an damals zurück?

Kosta Rodrigues: “(Lacht) Ja, schon ein wenig. Auch wenn ich heute nicht mehr die aktive Rolle einnehme, sondern das Spiel nur noch als Zuschauer verfolge. Ich hoffe, dass wir am Montagabend das bessere Ende für uns haben. Ein Pokalspiel hat ja - auch wenn es eine Floskel ist - bekanntlich seine eigenen Gesetze.“

Was war an diesem Tag der Schlüssel zum Erfolg? Wie habt ihr die Hertha geknackt?

Rodrigues: “Als die Auslosung durch war, haben wir erstmal geschaut, wer da eigentlich alles so spielt. Marcelinho, Wichniarek, Dárdai, Rehmer, Simunic, Kovac, Raffael, um nur eine paar Namen zu nennen, hatten nachweislich Qualität und Erfahrung. Da ist uns in der Kabine erstmal ein wenig mulmig geworden. Wir hatten Respekt, aber keine Angst. Wir haben unser Spiel gespielt. Das heißt: Mittelfeld-Pressing, schnelle und direkte Aktionen nach vorne. Wir haben versucht zielstrebig zum Abschluss zu kommen und den Gegner zu Fehlern zu zwingen. Das ist uns an diesem Abend sehr gut gelungen. Am Ende sind wir dann nicht nur glücklich, sondern auch verdient weitergekommen.“ 

Gibt es einen Moment oder eine bestimmte Szene, die dir von dem Spiel besonders in Erinnerung geblieben ist?

Rodrigues: “Das 1:0 war erstmal ein Schock, aber auf der anderen Seite haben wir ab diesem Zeitpunkt gemerkt: Ok, jetzt müssen wir nach vorne spielen und unbedingt ein Tor schießen. Das kam uns zugute und war in gewisser Weise eine Schlüsselszene. Wir haben im Anschluss schnell den Ausgleich gemacht und waren von diesem Zeitpunkt an voll drin im Spiel.“

Wie sehr hat euch der unerwartete Erfolg auch für den weiteren Saisonverlauf in der Liga geholfen?

Rodrigues: “Schon sehr. Solch ein Sieg gegen einen Bundesligisten pusht dich als Mannschaft unheimlich. Du schwimmst dann auf einer Euphoriewelle, die Fans stehen hinter dir und es gelingen dir plötzlich Sachen, mit denen du vorher gar nicht gerechnet hast. Dazu kommt auch das Quäntchen Glück, das du vorher vielleicht nicht unbedingt hattest: Der Ball geht dann eben nicht ins Toraus oder an den Pfosten, sondern rein. Dieses Phänomen tritt oftmals in Phasen auf, in denen du eine positive Stimmung hast."

Glaubst du es ist heute schwieriger als unterklassiger Verein einen Bundesligisten zu schlagen?

Rodrigues: “Wir haben damals unter Michael Krüger auch unter Profibedingungen gearbeitet und hatten eine gute Balance zwischen jungen und erfahrenen Spielern in der Mannschaft. Was man natürlich bedenken muss, ist die Tatsache, dass die Schere zwischen 3. Liga und Bundesliga im Vergleich zu damals nochmal deutlich größer geworden ist. Als Bundesligist verfügst du über ein Vielfaches an finanziellen Möglichkeiten. Das macht sich dann auch auf dem Platz bemerkbar. Dennoch glaube ich, dass wir am Montag vor eigener Kulisse nicht chancenlos sind. Warum sollte es in diesem einen Spiel nicht klappen?“  

Hast du dir nach dem Spiel ein Trikot eines Herthaners gesichert?

Rodrigues: “Nach dem Spiel waren die Berliner auf jeden Fall richtig bedient, da fand kein Trikottausch auf dem Platz statt. Aber unten im Kabinentrakt habe ich das Trikot von Marcelinho bekommen. Ein super Spieler, er hat damals das 1:0 erzielt. Ich stand in der Szene einige Meter von ihm entfernt in seinem Rücken. Wir er den Ball mit links oben in den Winkel genagelt hat, war schon beeindruckend.“

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