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Dienstag 15.05.2018

"Die Chance, sich neu zu entwickeln"

Eintrachts Verantwortliche schauen nach vorn

 

Der Aufsichtsratsvorsitzende Sebastian Ebel, Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt sowie der Sportliche Leiter der Löwen, Marc Arnold, bezogen am heutigen Dienstag Stellung zur aktuellen Situation bei der Eintracht. Im Rahmen einer Pressekonferenz sprach die Vereinsführung über die Ereignisse und Entwicklungen der vergangenen Tage und richtete den Blick klar in die Zukunft.

Sebastian Ebel

"Natürlich haben wir den Ernst der Lage schon zur Winterpause realisiert und entsprechend viel miteinander kommuniziert, sowohl mit dem Mannschaftsrat als auch mit dem Trainer. Wir hatten aber nie das Gefühl, dass der Coach das Team nicht mehr erreicht. Wir sind zu der Entscheidung gekommen, keine Veränderung vorzunehmen, weil wir davon überzeugt waren, die nötigen Punkte trotz der unbefriedigenden Tabellensituation zu holen. In den letzten Spieltagen sind wir in eine Abwärtsspirale gekommen. Das Auseinanderfallen zum Schluss hatten wir so nicht erwartet.
Dass die Zusammenarbeit unter diesen Voraussetzungen endet, ist natürlich bitter und tut allen weh. Aber es ist für Eintracht Braunschweig im Sinne eines Neuanfangs richtig. Wir müssen uns bestmöglich auf diese neue Situation vorbereiten. Das sind wir dem Verein, der Region, den Menschen und Mitarbeitern schuldig. Wir haben im vergangenen Jahrzehnt ein solides Fundament gebaut und das ist weiterhin da.

Die Situation, in die wir gekommen sind, ist eine gemeinsame Verantwortung des Aufsichtsrates. Die Verpflichtungen von Spielern waren immer gemeinschaftliche Entscheidungen vom Sportlichen Leiter und dem Trainer. In den vergangenen Jahren haben wir hier sowohl in der Verpflichtung als auch in der Abgabe von Spielern viele richtige Entscheidungen getroffen. Das muss uns nun in der Zukunft auch gelingen.

Zusätzlich haben wir nun ein Rückgrat an Spielern: Jeder, den wir mit einer Ablösesumme geholt haben, hat einen Vertrag für die 3. Liga. Es ist wichtig, dass wir nun zunächst die Trainersuche positiv, erfolgreich und hochqualifiziert abschließen. Um dann zusammen mit dem neuen Trainer einen schlagkräftigen Kader zusammenstellen. Dafür hat Marc Arnold unser Vertrauen.

Die Fans haben sich – gerade in Kiel – sehr verbunden gezeigt. Wir kennen die Bilder aus anderen Stadien. Diese gab es bei uns nicht und das nötigt mir den allergrößten Respekt ab. Denn der Frust und die Fassungslosigkeit waren bei allen groß. Darauf eine solche Reaktion zu erhalten, ist eine große Verpflichtung für das, was wir jetzt aufbauen müssen.

Jeder weiß, wie schwierig die 3. Liga ist. Aber wir sind nun dort und werden diesen Kampf annehmen und ihn erfolgreich bestehen. Wir müssen den Neuaufbau mit einem neuen Team nutzen, wie wir es vor zehn Jahren schon einmal geschafft haben."

Soeren Oliver Voigt

"Durch die guten wirtschaftlichen Verhältnisse und die guten sportlichen Ergebnisse der vergangenen neun Jahre – das letzte Jahr ausgenommen – haben wir uns infrastrukturelle Pluspunkte erarbeitet. Das war noch vor zehn Jahren ganz anders – ein Trümmerhaufen. Nun haben wir ein top-ausgebautes Stadion, eine Geschäftsstelle, Trainingsanlagen, das Nachwuchsleistungszentrum.

Der Etat wird sich von 40 Millionen Euro auf 14 Millionen Euro reduzieren. Was das für uns bedeutet, liegt natürlich auf der Hand. Wir können weniger ausgeben. Wir müssen die Stimmung nun möglichst schnell umwandeln und die positive Entwicklung – die wir auch trotz des Abstiegs im nächsten Jahr sehen – vorantreiben. Wir werden in naher Zukunft auf alle Sponsoren zugehen, die teilweise Verträge für die 3. Liga haben, teilweise aber auch nicht. Wir müssen den Rahmenbedingungen angemessen eine Ausgaben- und Einnahmensituation schaffen  In solchen Niederschlägen gibt es auch die Chance, sich neu zu entwickeln und neu zu erfinden. Das werden wir tun. Wir wollen eine Aufbruchsstimmung erzeugen.

Wir müssen auf unsere Dienstleisterverträge schauen und entscheiden, wie wir damit in den nächsten zwölf Monaten umgehen, sodass wir das Geschäftsjahr 2018/2019 zwar nicht ähnlich erfolgreich wie zuvor gestalten können, aber der Verantwortung unseren Mitarbeiter gegenüber, deren Arbeitsverträge alle weiterhin fortgeführt werden, über die nächste Saison hinaus gerecht werden. Ich gehe davon aus, dass alle Mitarbeiter Lust darauf haben, das Schiff wieder auf Vordermann und in das richtige Fahrwasser zu bringen. Wir wollen den Elan entwickeln, Gas zu geben und die Aufgabe annehmen, um die Situation so gut zu gestalten, wie es nur geht.  

Wir sind seit der Fanversammlung Ende September 2017 in die Umsetzung gegangen, einiges wieder geradezurücken, was in den vergangenen Jahren verloren gegangen ist. Was die Nähe in Form einer Fanmeile betrifft, stehen wir mit einer Arbeitsgruppe, an der sich Fans beteiligen, im engen Austausch. Im extremen Maße haben wir in den vergangenen Monaten den Verstetigten Dialog mit den Fans auf neue Beine gestellt. Dort sind wir auf dem richtigen Weg.

Dass es nach dem Abstieg keine schweren Ausschreitungen gegeben hat, ist sicherlich auch positiv der Situation geschuldet, dass wir in den vergangenen Monaten stark mit den Fans zusammengerückt sind und den Dialog forciert haben, aber auch der sehr guten Arbeit der Mitarbeiter in diesem Bereich. Trotz des Abstiegs in die 3. Liga werden wir auf einer guten Basis mit den Fans zusammenarbeiten."

Marc Arnold

"Wir arbeiten mit Hochdruck daran, den Trainermarkt zu sondieren und erste Gespräche zu führen, um in den nächsten zwei Wochen einen neuen Mann präsentieren zu können. Dieser wird nach einem gewissen Anforderungsprofil gesucht. Die Nachwuchsarbeit soll wieder stärker in den Vordergrund rücken, gerade was die Verzahnung zwischen NLZ und der U23 mit dem Profibereich betrifft. Wir werden auch alles daran setzen, dass die U19 und U17 wieder aufsteigen.

Darauf aufbauend soll dann gemeinsam mit dem neuen Trainer die Kaderplanung vorangetrieben werden, so dass zum Trainingsstart der Großteil der Mannschaft steht. Wenngleich die Transferperiode auch noch etwas länger geht und man auch die Geduld haben muss, den einen oder anderen Transfer etwas später zu tätigen, um die notwendige Qualität zu finden, die uns in die Lage versetzt, eine sehr gute Drittligasaison zu spielen.

Man sollte immer versuchen, die Dinge professionell zu betrachten. Natürlich registriere ich Kritik, lasse diese aber nicht allzu sehr an mich heran. Wenn mich das zu sehr beschäftigen würde, dann könnte ich meiner Arbeit nicht so nachkommen, wie mein eigener Anspruch es verlangt. Ich akzeptiere das, versuche aber gleichzeitig meine Arbeit bestmöglich und nach vorne blickend fortzuführen."

Die Pressekonferenz im Video

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