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Dienstag 08.10.2019

„Die Priorität liegt auf der Ausbildung unserer Spieler“

U19-Trainer Deniz Dogan im Interview

Seit 2007 ist Deniz Dogan bei der Eintracht und lernte als Profi von der 1. Bundesliga bis zur 3. Liga alles kennen. 2015 beendete er seine Karriere und wechselte ins Trainerteam der U23. Seit dem Sommer gibt er seine Erfahrung als Trainer der U19 im Nachwuchsleistungszentrum weiter. Im Interview spricht der ehemalige Innenverteidiger über die Arbeit als Trainer, die Philosophie des NLZ, den Sinn einer U23 und vieles mehr.

Hallo Deniz, Du bist seit dem Sommer Trainer der U19, zum ersten Mal trainierst Du eine Mannschaft im Jugendbereich. Wie gefällt Dir die Arbeit der ersten Monate?

Es gefällt mir wirklich sehr gut und macht riesig viel Spaß, auch, wenn es vom Herrenbereich zum Jugendbereich schon eine große Umstellung ist. Man hat mit heranwachsenden Menschen zu tun, die meisten sind zwischen 16 und 18 Jahren alt, was sich bemerkbar macht. Man muss bei der Trainingsgestaltung darauf eingehen und viele Sachen berücksichtigen. Das Umfeld mit Schule und Ausbildung muss man beachten, natürlich spielt auch das Elternhaus einer Rolle, manche Jungs wohnen im Internat. All das hat Einfluss auf die Leistung und macht die Trainerarbeit wesentlich komplexer.

Ihr steht nach sechs Spieltagen auf dem fünften Tabellenplatz, es ist also noch alles möglich. Habt Ihr vor der Saison ein festes Saisonziel ausgemacht?

Wir haben kein festes Saisonziel ausgemacht, davon halte ich auch nicht viel. Wir wollen auch nicht ständig auf die Tabelle gucken, denn die Priorität liegt auf der Ausbildung unserer Spieler. Wenn wir in einem Spiel mehr riskieren wollen und uns das im Endeffekt mal einen Punkt kostet, ist das verkraftbar, denn auch diese Art zu agieren sollen die Spieler erlernen. Wenn wir die Umsetzung von etwas Neuem von der Mannschaft erwarten, nehmen wir Fehler in Kauf. Das ist normal, wenn man sich verbessern möchte und Neues entwickelt. Ich bin aber davon überzeugt, dass es langfristig Ertrag bringt.

Woran arbeitet Ihr derzeit?

Zum Beispiel am Aufbauspiel von hinten heraus, auch dann, wenn der Gegner aggressiv presst. Die sportliche Ausrichtung im NLZ, die auch unter meine Aufgaben fällt, beinhaltet klare Vorstellungen beim Spielstil, Spielerprofil und der Philosophie im NLZ. Wir wollen am Ende der U19 bestimmte Spielertypen haben. Dazu gehören ein kontrollierter Spielaufbau, gute Vorbereitungen der Angriffe und, so schnell wie möglich den Ball zu holen. Das trainieren wir mit den Jungs regelmäßig, denn dafür muss jeder einzelne Spieler auf dem Platz seine Aufgabe kennen. Ein anderer Punkt ist die Disziplin auf dem Platz, was Spielern gerade in dem Alter manchmal schwierig fällt. Aber das kann ich verstehen, denn die Spieler sind einfach noch echt jung. Dennoch muss man damit anfangen.

Wie wichtig ist eine zweite Mannschaft für einen Profiverein?

Wir haben gerade eine Zweite Mannschaft, die mit der Lizenzabteilung nur wenige Berührungspunkte hat. Einer U21 oder U23 als Ausbildungsmannschaft stehe ich sehr positiv gegenüber, da bin ich ein klarer Fürsprecher. Es gibt häufig Spieler, die nach der U19 noch ein, zwei oder auch drei Jahre brauchen. Es gibt viele Beispiele, bei denen Spieler nach der U19 vermeintlich keine Chance mehr hatten und im Jahr darauf einen riesigen Entwicklungsschub genommen haben. Marco Reus wurde aus Dortmund weggeschickt und kam später wieder, weil er sich einfach später entwickelt hat. Auch für Spieler, die in der Profimannschaft keine Einsätze bekommen, ist eine U23 eine Möglichkeit, um Spielpraxis zu sammeln. Gerade junge Spieler müssen zu Weiterentwicklung auf Ihre Einsätze kommen.

Auf der anderen Seite stehen die finanziellen Belastungen. Es hat uns allen weh getan, die Entscheidung zu treffen, schweren Herzens wurde der Schritt dann gegangen. Wir sollten aber anvisieren, in naher Zukunft wieder eine U23 zu installieren. In den letzten Wochen haben Spieler mit wenig Spielpraxis aus meiner Mannschaft in der aktuellen Landesliga-Mannschaft mitgespielt, um Einsätze zu bekommen. Das war für die Jungs sehr gut. Wenn wir einen neuen Spieler zu uns holen möchten, wird oft gefragt, was man ihnen denn nach der U19 bieten kann, wenn der schwierige Sprung direkt zu den Profis nicht geschafft wird. Wo ist die Perspektive? Bei den Top-Clubs wird der direkte Sprung zu den Profis vorausgesetzt, das ist bei uns natürlich etwas anderes. Wir können das von unseren Spielern nicht erwarten, sondern müssen Ihnen die Möglichkeit zur Weiterentwicklung unter professionellen Bedingungen geben. Julius Düker und Philipp Tietz sind zwei Beispiele, die diesen Weg erfolgreich gegangen sind.

Du bist ist Lübeck geboren und hast viele Jahre im hohen Norden verbracht, bis Du 2007 nach Braunschweig kamst. Fühlst Du dich in Braunschweig Zuhause?

Ja auf jeden Fall. 2015 stand ich kurz vor einem Wechsel in die Türkei und bin damals zu diesem Zweck sogar aus dem Trainingslager abgereist. Der Transfer kam letztendlich nicht zu Stande, darüber bin ich mittlerweile sehr froh. Braunschweig ist meine Heimat, die Eintracht ist mein Verein und es ist immer noch toll, hier zu sein.

Du hast als aktiver Spieler überwiegend in der Innenverteidigung gespielt. Welcher Gegenspieler war in Deiner Karriere der Härteste?

Lewandowski war extrem stark. In der Bundesliga-Saison war natürlich jeder Stürmer von hoher Qualität. Auch gegen Arjen Robben zu spielen, war brutal. Du weißt, dass er jetzt einen Haken macht, aber konntest es kaum verhindern.

Mit der Eintracht hast Du tatsächlich alles miterlebt. Wo siehst du den Verein in den nächsten Jahren? Was ist realistisch?

Die Mannschaft macht das sehr gut in dieser Saison, das hat sich schon in der vergangenen Rückrunde abgezeichnet. Der Saisonstart war überragend, auch wenn in den letzten Spielen kein Sieg dabei war. Wir sind trotzdem oben dabei und wenn jetzt wieder etwas Glück dazu kommt, dürfen wir alle wieder träumen. Das Potenzial zur zweiten Liga sehe ich im Verein auf jeden Fall. Das sollte auch der Anspruch sein. Ob es nun in diesem Jahr oder dem nächsten passiert, kann ich natürlich nicht sagen, aber ich denke schon, dass es bald wieder klappt. Durch die Fans im Rücken wirst du als Spieler noch einmal zusätzlich gepusht, das hilft einem enorm. Es macht Spaß, den Jungs zuzusehen und wir können nach der vergangenen Saison stolz sein, jetzt so gut in der Tabelle zu stehen.

Nächste Woche geht es im Heimspiel gegen Unterhaching, wie ist dein Tipp?

Unterhaching ist eine sehr gute Mannschaft, Zuhause will man natürlich gewinnen. Ich hoffe, dass die drei Punkte hier in Braunschweig bleiben.

Deniz, vielen Dank für das interessante Interview!

 

Foto: Torsten Utta

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