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Sonntag 24.03.2013

Geburtsstunde der Trikotwerbung

40-jähriges Jubiläum des Jägermeister-Coups

Am 24. März 1973 - und somit vor genau 40 Jahren - hatte eine revolutionäre Idee aus Braunschweig Premiere: erstmalig prangte das Jägermeister-Logo auf den Trikots der Eintracht-Spieler.


Es bedarf immer großer Männer, um Großes zu erreichen. „Günter Mast“, so sagt Paul Breitner noch heute, „Günter Mast war ein Pionier.“

Rückblende ins Jahr 1967. Unter Präsident Ernst „Balduin“ Fricke war die Braunschweiger Eintracht 1967 Deutscher Meister geworden, hatte mit  Trainer Helmut Johannsen die Etablierten hinter sich gelassen. Aber er spürte: die Bundesliga wird immer professioneller. Und ihm fehlte das Geld, mit den Großstadtklubs mithalten zu können.
Diese Sorge klagte er dem befreundeten Geschäftsmann Günter Mast, dem Geschäftsführer der W. Mast KG in Wolfenbüttel. Marketing-Experte Mast steckte schon damals 18 Prozent seines  Werbeetats, rund fünf Millionen Mark, in den Sport. Die Mast-Idee: Der Braunschweiger Löwe, das Vereinswappen rund sechs bis acht Zentimeter groß auf der Brust der Bundesligaspieler aufgestickt, sollte zur Rückrunde der Saison 72/73 ersetzt werden durch das 18 Zentimeter große Haupt eines Zwölfender-Hirsches, dem Wahrzeichen des Kräuterlikörs „Jägermeister“.


Die Idee der Trikotwerbung war geboren. Doch bevor der Hirsch am 24. März 1973 im Heimspiel gegen Schalke die Eintracht-Trikots zieren konnte, wurden die Gerichte bemüht. Denn die Statuten des DFB untersagten Mannschaften aller Klassen, auf ihrer Spielkleidung zu werben. Als der Mast-Plan publik wurde, informierte der DFB seine Schiedsrichter: Kein Anpfiff mit Werbung! Doch Mast gab nicht auf. Die Anwälte wälzten die Statuten der Eintracht und änderten die Vereinssatzung. Statt des Löwen wurde nun der Hirsch zum neuen Vereinswappen erkoren. Der DFB war geschlagen, aber legte auch in seinen Statuten neu fest, dass der Name des Vereins neben dem Hirschen auftauchen müsse und das Wappen nicht größer als 14 Zentimeter sein dürfte.


PR-Mann Mast hatte sich durchgesetzt und für 500.000 Mark, die er für fünf Jahre der Eintracht überwies, eine Aufmerksamkeit erreicht, die kein deutsches Medium ausließ. „Er hat den Fußball als Werbeträger entdeckt“, lobt Uli Hoeneß noch heute.


Der Pionier spürte an den Umsatzzahlen seines Likörs, wie die Werbemaschine fruchtete. Und welche Aufmerksamkeit er durch die Sportwerbung erzielte. Sein Motto: „Negative Schlagzeilen sind mir dabei fast noch lieber als eine positive Berichterstattung, die Aufmerksamkeit ist höher.“


Also wollte er mehr. Der nächste Coup: Mast holte Weltstar Paul Breitner zurück in die Bundesliga. Der war nach der WM 1974 zu Real Madrid gewechselt, Mast holte ihn 1977 für die damalige Rekord-Ablösesumme von 1,6 Millionen Mark in die Provinz Niedersachsens. Als nächsten Schritt änderte er im Vereinsregister den Namen, machte aus Eintracht Braunschweig nun Jägermeister Braunschweig. Immer wieder produzierte er Schlagzeilen und musste auch diesmal sein Anliegen gerichtlich durchsetzen. Er verlor mit dieser Idee vor dem Landgericht, verlor vor dem Oberlandesgericht, ging bis zum Bundesgerichtshof. 1986 verhandelte der 2. Zivilsenat in Karlsruhe in letzter Instanz den Fall „Jägermeister Braunschweig“. Und dem Antrag wurde tatsächlich stattgegeben.


Ende 1973 hat der DFB die Trikotwerbung endgültig freigegeben.  Auf Braunschweig folgte der HSV mit „Campari“, Frankfurt mit „Remington“, der MSV Duisburg mit „Brian Scott“ und Fortuna Düsseldorf mit „Allkauf“.Ein Verdienst von Günter Mast, dem Volkswirt aus dem beschaulichen Wolfenbüttel. Er verstarb im Februar 2011 an den Folgen eines Schlaganfalls.
 

Text: DFL

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