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Donnerstag 05.03.2020

Hass und Diskriminierung im Fußball

Eintracht Braunschweig bezieht Stellung in der aktuellen Diskussion

In den vergangenen Tagen wurde viel über die Geschehnisse in den Fußballstadien am vergangenen Wochenende geschrieben und diskutiert.  Eintracht Braunschweig bezieht Stellung in dieser Diskussion, denn auch im EINTRACHT-STADION hing beim Heimspiel gegen den KFC Uerdingen ein entsprechendes Banner - das wollen und dürfen wir an dieser Stelle nicht verschweigen.  

Eins vorneweg: In dieser sehr komplexen Thematik ist aus Sicht von Eintracht Braunschweig eine Pauschalisierung der falsche Ansatz. Wir sind der Auffassung, dass eine differenzierte Betrachtung zwingend notwendig ist.

Ja zu Meinungsfreiheit – Nein zu Hass und Beleidigungen

Eintracht Braunschweig steht für Werte wie Fairplay, Toleranz, Vielfalt und Respekt  - diese sind fest in unserem Leitbild verankert. Rassistische Beleidigungen wie Affenlaute o.ä., Diskriminierung von Minderheiten, Abbildungen von Personen im Fadenkreuz überschreiten eine Rote Linie und sind absolut inakzeptabel und nicht tolerierbar. Diffamierungen gegenüber Personen, Vereinen oder Institutionen überschreiten häufig die Grenzen des Anstands und der guten Sitten. Uns ist bewusst, dass im Fußball der Ton oftmals rauer ist als anderwo. Dennoch sollte unser Handeln unseren Werten entsprechen und entsprechend ausgerichtet sein. Da sehen wir es als unsere Pflicht an, klar Stellung zu beziehen. Das gilt auch für unsere eigenen Spieler und Verantwortliche aus dem sportlichen Bereich, wenn diese vor allem in den sozialen Netzwerken aber auch in der realen Welt diffamiert und beschimpft werden. Wir werden in Zukunft diese Haltung stärker als bisher nach außen zeigen.

Klar ist aber auch, dass Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist, das wir respektieren. Dazu gehört auch Protest. Die Art und Weise muss auch hier differenziert betrachtet werden. Um es noch einmal ganz deutlich zu machen: Ein Konterfei von Personen im Fadenkreuz darzustellen, ist inakzeptabel und jenseits der Roten Linie. Auf der anderen Seite können wir nachvollziehen, wenn Ultras und andere Fans versuchen, teilweise auch stark zugespitzt, auf mögliche Missstände bei den Verbänden und Vereinen und rund um den Fußball aufmerksam zu machen. Die Ultraszenen überschreiten oftmals absichtlich Grenzen – häufig zu Themen, die auch viele andere Fans bewegen - damit ihr Protest sowohl von der Öffentlichkeit als auch von den Vereinen und Verbänden wahrgenommen wird. Und genau  an dieser Stelle muss man aus unserer Sicht ansetzen.

Dialog und Kommunikation

In unserer Arbeit spielt das Thema Dialog und Kommunikation eine wesentliche Rolle. Diesen Weg des Dialogs mit unseren Ultras, Fanvertretungen- und Institutionen wird Eintracht Braunschweig fortsetzen. Ein konstruktiver Austausch und gegenseitiges Verständnis sind die Grundlage für ein Miteinander. Ängste und Sorgen müssen ernst genommen und frühzeitig angegangen werden, Bundesweit haben sich Ultravertreter darüber beklagt, dass man von Seiten der Vereine und Verbände auf von ihnen geäußerte Anregungen und Kritik, die maßvoll und sachlich vorgetragen wurde, nicht eingegangen sei. Daher wünschen wir uns, dass in Zukunft Kritik und Proteste von den Verantwortlichen frühzeitig aufgenommen werden und ernsthaft miteinander diskutiert wird, auch wenn es mühsam und zeitraubend, manchmal auch unangenehm erscheint, sich gewissen Themen zu stellen.  

Kollektivstrafen lehnen wir ab

Die Vergangenheit hat aus unserer Sicht gezeigt, dass Kollektivstrafen keine Lösung sind. Im Gegenteil: die Diskussion zu einer Rückkehr dazu ist aus unserer Sicht ein Schritt in die völlig falsche Richtung. Natürlich muss nicht-tolerierbarem Verhalten entgegengewirkt werden. Das ist extrem schwierig und muss in erster Linie über  Präventionsmaßnahmen verhindert werden. Sollte es dennoch zu Fehlverhalten im Stadion kommen, ist auch hier aus unserer Sicht im Sanktionsmanagement eine differenzierte Betrachtungsweise entscheidend. Wir fordern daher die Verbände und die Fanorganisationen dazu auf, wieder aufeinander zuzugehen und sich umgehend zu Gesprächen an einen Tisch zusetzen. Ziel muss es letzten Endes sein, dass sich der deutsche Fußball auch mit unangenehmen Themen offen und ehrlich auseinander setzt.


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