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Mittwoch 27.08.2014

Projekt im Rahmen des Aktionsjahres

14 Jugendliche reisten für eine Woche nach Auschwitz und Krakau

Im Rahmen des Aktionsjahres haben Eintracht Braunschweig und das Fanprojekt Braunschweig in Kooperation mit dem Jugendzentrum Roxy vom 18. bis zum 24. August 2014 eine siebentägige Jugendfreizeit nach Polen angeboten. Um die Kosten für die 14 Jugendlichen so gering wie möglich zu halten, stellte die Volkswagen-Sportkommunikation zwei Kleinbusse zur Verfügung und aus dem Budget des Aktionsjahres bezuschussten Eintracht Braunschweig sowie das Fanprojekt Braunschweig jede gebuchte Reise mit 150 Euro.

Die nachhaltigen Eindrücke vor Ort hat Florian Bachmann, pädagogischer Mitarbeiter des Jugendzentrums Roxy, zusammengefasst:

„Zwei Kleinbusse machten sich am 18. August gegen 10 Uhr auf die etwa 780 Kilometer lange Reise in die Stadt Oswiecim, dem Ort, der in Deutschland unter dem Namen Auschwitz zu trauriger Berühmtheit gekommen ist. Hier übernachteten wir direkt auf dem Gelände des Konzentrationslagers Auschwitz 1, dem Stammlager. Am nächsten Morgen stand die Besichtigung des Stammlagers an. Hier waren bis Januar 1945 bis zu 20.000 Leute interniert. Die ersten systematischen Tests mit Zyklon B fanden in den Kellern statt, um Hitlers 'Endlösung' voranzutreiben.



Für unsere Reisegruppe war es ein wirklich erschreckendes Erlebnis, die dunkelsten Kapitel der Deutschen Geschichte so plastisch vor Augen geführt zu bekommen. Der Gang durch das berühmte Tor mit der Inschrift 'Arbeit macht Frei' verursachte bei vielen Teilnehmern mehr als einen kalten Schauer. Der zweite Tag sollte uns ins drei Kilometer entfernte Auschwitz/Birkenau führen, dem sogenannten Außenlager. Im Gegensatz zu dem Stammlager war dies ein reines Vernichtungslager auf einer Gesamtgröße von über 100 Fußballfeldern. 80 Prozent aller Insassen waren nie länger als ein paar Wochen hier gefangen. Sie mussten in menschenunwürdigen Bedingungen in primitiven Holz- und Steinbaracken schlafen und die hygienischen Bedingungen mit Flöhen, Läusen und Ratten in den Baracken waren eine Katastrophe. Hinzu kamen gammelige Lebensmittel als 'Nahrung für die Gefangenen'. Sie mussten tägliche eine unfassbar harte Arbeit absolvieren, bis sie in die Gaskammer geführt wurden.

Ab Sommer 1944 kamen die meisten Transporte von Juden, Roma und Sinti nach Auschwitz/Birkenau direkt von der Selektionsrampe in die vier großen Gaskammern auf dem Gelände. Diese wurden kurz vor der Befreiung der Roten Arme in Januar 1945 in die Luft gesprengt und viele Baracken abgebrannt, um Spuren zu beseitigen. Viele Gefangene mussten in Todesmärschen gen Westen marschieren. Tausende halbtote Menschen wurden zurück gelassen – ohne zu wissen, was mit ihnen passiert. Nach dem Besuch in Auschwitz/Birkenau besuchten wir am späteren Nachmittag einen Workshop über das Schicksal der Kinder in Auschwitz.

Es wird Wochen dauern, bis das Gesehene ansatzweise verarbeitet werden kann. Wichtig für uns war, das Erlebte in zahlreichen Gespräche mit den Jugendlichen zu besprechen und alle Eindrücke zu thematisieren. Wichtig war aber auch die Möglichkeit, im Rahmen der Reise auch für Ablenkung zu sorgen. Aus diesem Grund fuhren wir im Anschluss weiter in die polnische Metropole Krakau, der wunderschönen Stadt an der Weichsel, in der man auch mal bummeln und entspannen konnte. Wir schauten uns darüber hinaus das Wahrzeichen – den Wawel, die ehemalige Königsburg und zeitweise Regierungssitz der ehemaligen polnischen Könige – an.

Um einen runden Abschluss zum Thema „Auschwitz und Judenverfolgung“ zu
finden, besichtigten wir die berühmte Emaillewarenfabrik des NSDAP-Mitglieds Oskar Schindler, der ungefähr 1200 Juden vor der sicheren Vernichtung rettete. Ein modernes und informatives Museum wurde daraus gemacht, das einen sehr guten und realitätsnahen Sprung in die Zeit von Oskar Schindler von 1939 – 1944 in Krakau erlaubt. Auf dem Rückweg besichtigten wir noch das ehemalige jüdische Ghetto und den letzten Abend verbrachten wir gemeinsam am Ende des 'Schabbat' im ehemaligen jüdischen Stadtteil Kazimierz, schauten uns das rege Treiben dort an und aßen in einem sehr schönen Restaurant. 

Ein Fazit dieser Woche fällt schwer. Wir haben eine Mischung aus unfassbar grausamer und schrecklicher Historie und einem heute wunderschönen Land gesehen, das man sehr gut – auch ohne Fußball im Kopf – bereisen kann. Und ich kann jedem diese Reise nur empfehlen, man sieht viele Dinge danach grundlegend anders.“

 

 

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