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Dienstag 14.08.2018

Rainer Zobel: "Ein Highlight für den Verein"

Eintrachts ehemaliger Co-Trainer im Interview

Am Mittwoch treten die Löwen um 18.30 Uhr in der Qualifikationsrunde des NFV-Pokals beim Lüneburger SK Hansa an. Dort trifft die Eintracht auf einen alten Bekannten: Seit Beginn des Jahres ist Rainer Zobel, von 1987 bis 1990 Co-Trainer der Blau-Gelben, Coach des Regionalligisten. Im Interview mit eintracht.com blickt der 69-Jährige auf seine vielen Trainerstationen im Ausland sowie die Zeit an der Hamburger Straße zurück und verrät zudem, wie er die Chancen seiner Mannschaft am Mittwoch einschätzt.

Herr Zobel, Ende Januar haben Sie das Traineramt beim Lüneburger SK Hansa übernommen. Am Ende der Saison konnten Sie mit Ihrer Mannschaft den Klassenerhalt in der Regionalliga feiern. Wie blicken Sie auf das erste halbe Jahr zurück?

Rainer Zobel: "Die Entscheidung, nach Lüneburg zu gehen, fiel mir zunächst unheimlich schwer. Ich hatte bei meinem vorherigen Verein FC Wenden eine tolle Zeit und wollte eigentlich auch nicht mehr höherklassig trainieren. Mein Vorgänger beim SK Hansa wurde schwer krank. Als ich dann angerufen wurde, habe ich erst einmal 14 Tage mit mir gerungen. Die Mannschaft in Wenden hat mir dann aber gesagt, dass ich es machen soll – es ist eine höhere Klasse und ich hätte mit Sicherheit Spaß dort. Am Anfang war es in Lüneburg nicht einfach, aber irgendwann haben sie mich dort begriffen und ich wiederum habe die Mannschaft begriffen. Das ist ja immer ein Geben und Nehmen. Dann haben wir eine richtige Serie hingelegt und keines der vergangenen zwölf Spiele verloren. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und das ist auch weiterhin so."

Wie lief der Start in die neue Saison bislang?

Zobel: "Wir haben einige Spieler verloren, das gehört natürlich dazu. Wir bekommen immer viele Jugendspieler von Bundesligisten, die von den größeren Vereinen nicht übernommen werden. Diese Jungs haben oft eine Enttäuschung hinter sich – sie wieder aufzubauen, dauert immer ein bisschen. Man muss die Spieler wieder etwas zum Leben erwecken. Aber ich sage immer, es gibt auch im Fußball einen zweiten Bildungsweg. Es sind auf jeden Fall ein paar gute Talente dabei. Wir haben bisher gegen Hannover 96 zuhause verloren – das ist nun mal eine Profimannschaft, die unter Profibedingungen trainiert. Wir sind Amateure, wir trainieren nur an vier Abenden die Woche. Das macht sich gerade in der Vorbereitung bemerkbar, wenn die Saison dann läuft aber nicht mehr. In den anderen beiden Spielen haben wir Unentschieden gespielt. Insgesamt bin ich aber zufrieden mit der Mannschaft."

Sie sind in Ihrer Trainerlaufbahn viel herumgekommen und haben verschiedenste Länder kennengelernt. Hilft Ihnen diese breite Erfahrung gerade im Umgang mit jungen Spielern?

Zobel: "Natürlich hilft mir die Erfahrung aus meinen vielen Stationen. Ich durfte schon viele erstklassige Mannschaften trainieren. Am meisten hilft mir dabei aber mein Alter und meine Lebenserfahrung, um die jungen Leute nicht nur als Trainer, der Erfolg haben will, sondern auch ein bisschen väterlich zu betreuen. Ich versuche ihnen den Weg zu ebnen, wo auch immer der dann hinführt. Klar ist: Es wird nicht jeder Bundesligaspieler. Es ist einfach meine Aufgabe, sie wieder aufzubauen und sie auf einen Weg zu führen, damit sie vielleicht nochmal eine Chance haben."

Wenn Sie auf die vielen Länder und Stationen in Ihrer Karriere zurückblicken. Woran denken Sie am liebsten zurück?

Zobel: "Fußballerisch ist es immer so, dass es dort am besten war, wo man Erfolg hatte. Ich bin mit El Ahly in Kairo dreimal Meister geworden, habe mit Dinamo Tiflis den Supercup in Georgien geholt. Das sieht natürlich in der Statistik gut aus, viel schöner war es für mich aber in Südafrika, im Iran oder auch in den Emiraten mit Sharjah FC, wo wir mit einer Mannschaft ins Pokalfinale gekommen sind, die man überhaupt nicht auf dem Zettel hatte. Als Trainer sind das natürlich Highlights. Ich bin aber auch jemand, der nicht nur für den Fußball da ist, sondern auch das Land und die Mentalität der Menschen kennenlernen will. Von der Seite war es für mich in Südafrika, im Iran und in Ägypten am schönsten."

Im NFV-Pokal treffen sie mit Lüneburg am Mittwoch auf die Eintracht. Ist es für Sie noch etwas Besonderes, gegen Ihren ehemaligen Verein zu spielen?

Zobel: "Ich habe mich natürlich über die Auslosung gefreut – für den LSK. Für den Verein ist das Spiel ein Highlight. Für mich persönlich ist es nicht wirklich besonders, dafür ist meine Zeit bei der Eintracht schon zu lange her."

Von 1987 bis 1990 waren Sie Co-Trainer unter Uwe Reinders bei den Löwen. 1988 gelang die sofortige Rückkehr in die 2. Bundesliga. Wie blicken Sie auf diese drei Jahre zurück?

Zobel: "Mit unheimlicher Freude! Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Die Situation damals war sportlich ungefähr die gleiche, wie sie die Eintracht jetzt hat. Wir sind nach dem letzten Spiel gegen St. Pauli abgestiegen. Günter Mast von Jägermeister ist ausgestiegen, die finanzielle Lage war danach nicht sehr rosig. Wir mussten dann neu anfangen mit Uwe Reinders, der ja Spielertrainer war. Ich habe zu der Zeit beide Mannschaften, die U23 und die erste, trainiert – Uwe Reinders brauchte ja schließlich auch Training (lacht). Dass wir das so schnell wieder hinbekommen haben, hatte viel mit Teamgeist und Willensstärke zu tun. Wir sind ja dann auch mit der U23 wieder aufgestiegen."

Verfolgen Sie die Eintracht momentan und glauben Sie, dass es dem Team gelingen kann, in die 2. Bundesliga zurückzukehren?

Zobel: "Ich wohne ja seit über 25 Jahren hier in Braunschweig und verfolge die Eintracht nach wie vor. Es muss natürlich in der Vergangenheit etwas schief gelaufen sein, wenn so viele Mannschaften innerhalb des Vereins absteigen. Ich hoffe aber, dass sie auf einem guten Weg sind und würde mich natürlich freuen, wenn die Rückkehr in die 2. Bundesliga gelingt. Bisher sieht es noch nicht danach aus, aber die Saison ist ja auch noch jung. Es kommt auch immer darauf an, wie schnell so eine Mannschaft zusammenwächst, das kann man meistens erst nach fünf oder sechs Spielen erkennen."

Was erwarten Sie vom Spiel – wie sehen Sie Ihre Chancen für Mittwoch?

Zobel: "Unsere Chancen sind natürlich geringer als die von Eintracht Braunschweig. Allein vom Trainingsumfang her können sie natürlich viel mehr machen und einstudieren als wir. Andererseits ist es ein Pokalspiel. Ich habe mir die Eintracht gegen Zwickau angeschaut und ein paar Schwächen entdeckt. Wenn wir die nutzen können, haben wir eine kleine Chance – wenn nicht, haben wir gar keine."

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