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Donnerstag 08.08.2013

SV Werder Bremen im Fokus

Nachgefragt bei Clemens Fritz

Endlich ist es soweit: Nach 28 Jahren warten und hoffen steht das erste Bundesligaspiel der Eintracht vor der Tür. Zum Saisonauftakt empfangen die Löwen mit dem SV Werder Bremen gleich einen der besten Vereine in der Geschichte der Bundesliga. Der viermalige deutsche Meister ging jedoch, vor allem in der vergangenen Spielzeit, durch einige Tiefen und befindet sich derzeit im Umbruch.

Die vergangene Saison möchten die Verantwortlichen von Werder Bremen sicherlich schnell vergessen. Wobei diese, zumindest die wichtigsten aus dem sportlichen Bereich, gar nicht mehr an der Weser tätig sind. Und das war so nicht unbedingt vorhersehbar. Schließlich arbeitete Klaus Allofs 13 Jahre als Sportlicher Leiter bei den Hanseaten, ehe er den Verein im November 2012 Richtung VfL Wolfsburg verließ. Ex-Trainer Thomas Schaaf war sogar 14 Jahre für Werder an der Seitenlinie aktiv. Kurz vor Ende der vergangenen Saison trennten sich die Wege des erfolgreichen Duos jedoch. Thomas Eichin und Robin Dutt heißen die Nachfolger und sollen den Verein zurück zu alten Erfolgen führen. Eichin war selbst Fußball-Profi und führte als Geschäftsführer zuletzt die Geschicke bei dem deutschen Eishockey-Club Kölner Haie. Dutt machte sich beim SC Freiburg und Bayer 04 Leverkusen bereits einen Namen als Trainer, ehe er im August 2012 das Amt des Sportdirektors beim DFB (Deutscher Fußball Bund) antrat und damit Matthias Sammer beerbte. Seit diesem Sommer ist er Chef-Trainer in Bremen.

Tradition in Grün und Weiß

Der SV Werder gehörte 1963 zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga. Gemeinsam mit dem Hamburger SV und Eintracht rückten die Grün-Weißen aus der Oberliga Nord in die neu gegründete höchste Spielklasse. Bereits in der zweiten Bundesligaspielzeit wurde die Mannschaft von der Weser deutscher Meister. Von der Gründung der Liga bis zur aktuellen Saison spielten die Hanseaten, bis auf eine Ausnahme 1980/1981, ständig in Liga eins. In diese Zeit fällt auch einer der höchsten Heimsiege der Bremer – mit Braunschweiger Beteiligung. Am 6. April 1983 gewann die Werder-Elf mit 6:0 gegen die Blau-Gelben. Torschützen waren unter anderem Rudi Völler, Thomas Schaaf und der ehemalige Eintracht-Spieler und -Trainer Uwe Reinders. In der ewigen Tabelle der Bundesliga belegt Werder Platz zwei – hinter Bayern München. Insgesamt gelangen vier deutsche Meisterschaften sowie sechs DFB-Pokalsiege.

Auftakt wie ´67 – Oehrl kennt beide Seiten

In der Meistersaison der Löwen lautete die erste Partie der damaligen Spielzeit 1966/1967 ebenfalls Eintracht Braunschweig gegen SV Werder Bremen. Endstand: 2:0. Und auch das Duell in der Rückrunde konnten die Blau-Gelben mit 3:2 für sich entscheiden. Beim Aufeinandertreffen im DFB-Pokal im August 2007 boten beide Mannschaften den Zuschauern eine sehr gute Begegnung. Am Ende konnten sich die Werderaner jedoch denkbar knapp mit 1:0 durchsetzen. Torschütze in der 90. Minute war Boubacar Sanogo. In dieser Partie wurde damals Torsten Oehrl eingewechselt – für Eintracht. Seit diesem Sommer ist der Stürmer wieder für die Löwen am Ball. Sein erstes Bundesligaspiel bestritt der 27-Jährige jedoch in der Saison 2008/2009 für Bremen.

In diesem Jahr sind beide Vereine in der ersten Runde des DFB-Pokals ausgeschieden. Dem SVW gelang dieses negative Kunststück nun bereits zum dritten Mal in Folge. Dabei haben die Weser-Kicker den Pokal 2009 noch gewonnen (1:0 gegen Bayer 04 Leverkusen) und standen ein Jahr später direkt wieder im Finale (0:4 gegen Bayern München). 2011, 2012 und 2013 dann das Aus in Runde eins gegen unterklassige Teams. Dabei kennen die Grün-Weißen auch erfolgreichere Tage aus nicht all zu vergangenen Zeiten. Immerhin spielten sie von 2004 bis 2011 fast durchgehend in der Champions League. Einzige Ausnahme in der Zeit war die Saison 2009/2010, da hieß es Europa League.

Auf der Suche nach alten Erfolgen

Die letzten beiden Spielzeiten waren bei dem Team von der Weser recht schwankend. Die vergangene Saison bot allerdings den negativen Höhepunkt. Am Ende stand man auf Platz 14. Lediglich drei Punkte vor dem Relegationsplatz und vier vor einem direkten Abstiegsplatz. Lange mussten die Bremer-Anhänger um den Klassenerhalt bangen. Die Grundpfeiler der Start-Formation verließen im Sommer den Verein. Innenverteidiger Sokratis zog es nach Dortmund und Mittelfeld-Motor Kevin de Bruyne musste nach abgelaufener Ausleihe zurück nach London zu seinem Stammverein Chelsea FC.

Auf der Suche nach Ersatz wurden die Verantwortlichen mit Luca Caldirola (Inter Mailand) und Cédric Makiadi (SC Freiburg) fündig. Eichin gab zudem die Parole aus, zukünftig vermehrt auf die eigene Jugend zu bauen. Jetzt heißt es für Dutt, aus dem vorhandenen Kader wieder ein Team zu formen, welches sich in der Zukunft auch wieder auf europäischen Fußballplätzen präsentieren kann.


Nachgefragt bei Clemens Fritz

Clemens Fritz geht bei Werder Bremen bereits in seine achte Saison. In seiner Zeit an der Weser hat der ehemalige Nationalspieler viel erlebt. Als Kapitän und erfahrener Spieler soll er die Mannschaft und die jungen Kollegen führen. eintracht.com sprach mit dem 32-Jährigen über seine Lieblingsposition, seine sportlichen Ziele und seine Erwartungen für das erste Saisonspiel in Braunschweig.

©Getty images

Herr Fritz, während der vergangenen Spielzeit ging es für Werder lange gegen den Abstieg. Wie erleichtert waren Sie, dass es am Ende zum Klassenerhalt gereicht hat?

Clemens Fritz: Als feststand, dass wir in der Liga bleiben, waren wir natürlich alle sehr erleichtert. Das war eine sehr schwierige Situation - wir mussten uns erst mal darauf einstellen, dass es gegen den Abstieg geht. Bis wir das angenommen haben, hat es etwas gedauert. Am Ende haben wir dann aber auch Dank des überragenden Zusammenhalts zwischen Mannschaft und Fans die Klasse gehalten. 

Auf eine von den Ergebnissen her durchwachsene Vorbereitung auf die anstehende Spielzeit folgte das Pokal-Aus in Runde eins gegen Saarbrücken. Was macht Sie trotzdem zuversichtlich, dass das Fußballjahr 2013/2014 wieder Besserung verspricht?

Fritz: Die Ergebnisse in der Vorbereitung sollte man nicht überbewerten, wir haben in dieser Zeit viel ausprobiert. Außerdem haben wir mit Robin Dutt einen neuen Trainer – beide Seiten mussten sich erst kennenlernen. Im Pokal haben wir uns das natürlich ganz anders vorgestellt. Im Training machen wir sehr viele Dinge schon richtig gut. Wichtig ist es, diese Sachen jetzt auf den Platz umzusetzen. Wenn uns das gelingt, werden wir eine bessere Spielzeit erleben. 

Was war Ihre erste Reaktion, als Sie von der Entlassung von Thomas Schaaf in der vergangenen Saison erfuhren? Immerhin war er 14 Jahre Chef-Trainer der Profis und hat auch Sie lange betreut.

Fritz: Thomas Schaaf war insgesamt 40 Jahre im Verein, davon 14 Jahre als Cheftrainer. Wir haben alle lange mit ihm zusammengearbeitet, deshalb war es im ersten Moment schon ein Schock. Wir sind ihm alle sehr, sehr dankbar für die gemeinsame Zeit und für das, was er uns mitgegeben hat.  

Merkt man bereits die Handschrift des neuen Trainers Robin Dutt?

Fritz: Es ist zu früh schon von einer neuen Handschrift zu sprechen, aber wir üben viele neue Sachen ein, darunter auch ein neues Spielsystem. Robin Dutt macht das sehr gut, jetzt gilt es für uns als Mannschaft, die Philosophie zu verinnerlichen. Ich bin optimistisch, dass wir das gut hinbekommen werden. 

Sie sind seit sieben Jahren bei Werder und haben zwischen Champions League, Gewinn des DFB-Pokals und Abstiegskampf viel erlebt. Was war Ihr schönstes Erlebnis? Und welches hat Sie am meisten geprägt?

Fritz: Ich habe hier viele tolle Momente erlebt. Sei es das UEFA-Cup-Finale 2009, die vielen Champions-League-Spiele oder der DFB-Pokalsieg. Das sind alles Augenblicke, an die man gerne zurückdenkt und die mich auch sehr geprägt haben. Allerdings hat der Abstiegskampf im letzen Jahr auch geprägt. 

Auf dem Rasen sind Sie auf der rechten Seite zu Hause. Sie spielen dort als Verteidiger oder bearbeiten den rechten Flügel im Mittelfeld. Auf der Position des Sechsers sind Sie ebenfalls schon zum Einsatz gekommen. Wo fühlen Sie sich am wohlsten?

Fritz: Wo ich spiele, ist eigentlich egal, aber es ist wichtig für mich eine feste Position zu haben, nicht ständig wechseln zu müssen. Wenn ich dann in Ausnahmefällen mal auf einer anderen Position spiele, werde ich da auch versuchen, meine Stärken bestmöglich einzubringen.

Das Duell am Samstag im EINTRACHT-STADION ist ausverkauft. Es hätten deutlich mehr Eintrittskarten verkauft werden können. Euphorie und Vorfreude auf die Bundesliga sind in Braunschweig sehr groß. Was erwarten Sie für ein Spiel? Und auf was für eine Stimmung stellen Sie sich ein?

Fritz: Ich erwarte eine tolle Atmosphäre. Eintracht Braunschweig hat lange auf die Rückkehr in die erste Bundesliga gewartet, deshalb wird es ein sehr intensives Spiel, bei dem beide Mannschaften alles dafür tun werden, den Platz als Sieger zu verlassen.

Herr Fritz, vielen Dank für das Interview!

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