NEWS // Geschichten von Früher

Zurück

Samstag 10.12.2016

Damals vor 50 Jahren

Rückblick auf die Meistersaison - 16. Spieltag

In dieser Spielzeit jährt sich der Gewinn der Deutschen Fußballmeisterschaft zum 50. Mal. Um dieses aus Sicht der Löwen bis heute einmalige Ereignis noch einmal zu würdigen, blickt eintracht.com Woche für Woche auf die einzelnen Spieltage von damals zurück.

16. Spieltag am 10. Dezember 1966

Eintracht - Rot-Weiss Essen 0:0

Vor den Augen des damaligen Bundestrainers Helmut Schön, der mit starkem Beifall empfangen wurde, und vor einer enttäuschenden Kulisse von nur 15.000 Zuschauern musste sich Eintracht am 10. Dezember 1966 mit einem torlosen Remis gegen den Tabellenelften Rot-Weiss Essen begnügen. Da die Rot-Weissen ohne sechs verletzte Stammspieler nach Braunschweig reisen mussten, hatten die Eintracht-Fans im Vorfeld des Spiels nur noch über die Höhe des als sicher geltenden Sieges spekuliert. Ein lautstarkes Pfeifkonzert begleitete die Spieler daher nach 90 Minuten auf ihrem Weg in die Kabine. Hatte die erste Halbzeit noch ständig angreifende Löwen gesehen, die dabei allerdings nur einen Lattenttreffer durch Saborowski zustande brachten, so wurde das Spiel der Eintracht in der zweiten Hälfte immer weniger zielstrebig. Nervosität und Fehlpässe statt der erwarteten Galavorstellung waren die Folge. Zum Schluss war die tapfer kämpfende Essener Mannschaft bei ihren Vorstößen dem Sieg sogar näher als die Gastgeber.

Die Wandergruppe aus Braunlage.

Die Zuschauerpfiffe müssen die Mannschaft sehr geärgert haben, denn der sonst so zurückhaltende Walter Schmidt gab nach Abpfiff zu Protokoll: "Erst kommen nur so wenig Zuschauer zu einem Spiel des Tabellenersten, dann setzt noch ein solches Pfeifkonzert ein. Hat denn das Publikum vergessen, dass wir siebenmal zuvor auf eigenem Platz ausgezeichnete Leistungen geboten haben? Unser Publikum sollte sich einmal eine Scheibe abschneiden von dem in Mönchengladbach."

Und auch Trainer Helmuth Johannsen nahm sich die Zuschauer vor: "Dass wir schlecht gespielt haben, wissen wir. Ich führe das in erster Linie darauf zurück, dass es das Braunschweiger Publikum an der nötigen Unterstützung fehlen ließ. Mit Pfiffen und Buhrufen kriegt man ein Spiel, das nicht laufen will, gewiss nicht in Gang." Da wollte dann wohl auch Kapitän Achim Bäse seinen Unmut nicht länger verbergen, der sich so äußerte: "Wir sind maßlos enttäuscht von unserem Publikum. Es hat sich sehr undankbar gezeigt, nachdem wir bisher mehr erreicht haben, als selbst Optimisten erwartet hatten." Die Folge dieser Kritik am Publikum war eine sich über Wochen hinziehende Diskussion in Leserbriefen in der Braunschweiger Zeitung.
 
Als Folge des torlosen Unentschiedens in Braunschweig, zu dem vier Wanderer aus Braunlage zu Fuß gekommen waren, übernahm erstmals der HSV nach einem 3:1 über Bayern München mit einem Punkt Vorsprung die Tabellenführung. Während die Eintracht-Mannschaft nach dem Spiel im Hotel "Forsthaus" in unmittelbarer Stadionnähe ihre Weihnachtsfeier beging, folgte Torwart Horst Wolter einer Einladung des ZDF zu einem Auftritt im Sportstudio. Dabei schob er die Favoritenrolle für Eintracht ganz weit weg und meinte, der kommende Meister werde Dortmund, Bayern oder Gladbach heißen.

Fotos: Archiv

nach oben