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Mittwoch 27.01.2016

Initiative „!Nie wieder"

Eintracht Braunschweig erinnert an Adolf Aronheim

Am 27. Januar 2016, 71 Jahre nach der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, richtet sich der Blick aller Fußballvereine auf jüdische Mitglieder, die vor 83 Jahren – zu Beginn der NS-Herrschaft in Deutschland – ihre Clubs verlassen mussten. Eintracht Braunschweig erinnert aus diesem Anlass an sein verdienstvolles früheres Mitglied Adolf Aronheim (1881 – 1943).

Adolf Aronheim wurde am 7. Mai 1881 in Braunschweig geboren, war der Sohn von Helene (geb. Oppenheimer) und Dr. Max Aronheim (gestorben 1905) und lebte wie seine Mutter am Inselwall 4 in Braunschweig. Zum Gedenken an beide Personen gibt es seit dem Vorjahr so genannte Stolpersteine vor diesem Haus.Aronheim, der dem Verein wenige Monate nach der Gründung beitrat, wird in der Eintracht-Chronik erstmals in Verbindung mit einem Einsatz als Linksaußen in der ersten Mannschaft erwähnt, die am 29. September 1901 auf dem Leonhardplatz mit 1:5 gegen den Magdeburger Fußballclub verlor. Am 25. März 1903 wurde er in den Vorstand des Vereins gewählt, dem er auch im folgenden Jahr angehörte.

Vereinsgeschichte schrieb Aronheim am 29. März 1905, als er gemeinsam mit 25 weiteren Eintracht-Mitgliedern den Bau des ersten eigenen Sportplatzes an der Helmstedter Straße beschloss. Zur Finanzierung des kleinen Stadions war die Aufnahme eines Kredits in Höhe von 5.000 Mark erforderlich, in gleicher Höhe waren Bürgschaftsübernahmen durch die Mitglieder zu leisten. Den Löwenanteil (3.600 Mark) davon übernahm damals Adolf Aronheim, die restlichen 1.400 Mark teilten sich sechs weitere Mitglieder.

1925: Nach dem Spiel der Alten Herren am 16. Mai in Wolfenbüttel-Linden. Aronheim (unten rechts) mit den Spielern Rudi und Richard Queck, Buckendahl und Graßhof (u.a.).

Aber nicht nur als Vorstandsmitglied und Bürge diente Aronheim dem Verein, er übte darüber hinaus auch das Amt des Platzwartes (1908/09) aus, war Spielführer der 3. Mannschaft und meldete sich bis in die zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts bei den Mitgliederversammlungen des Vereins regelmäßig zu Wort. Ein Foto aus dem Jahr 1925 zeigt ihn als Mitglied der Alten Herren nach einem Spiel in Wolfenbüttel-Linden.

Von Aronheim ist weiter bekannt, dass er als Ingenieur arbeitete und als Soldat am 1. Weltkrieg teilnahm. An der Ostfront schwer verwundet wurde er mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse, dem Braunschweiger Verdienstkreuz und dem Frontkämpfer-Ehrenkreuz ausgezeichnet. Er konvertierte zum Christentum und heiratete 1921 die Christin Idel, geb. Miehe aus Königslutter. Sie wohnte noch bis zu ihrem Tod 1974 in einem Kutscherhäuschen, das sich hinter dem im 2. Weltkrieg zerstörten Wohnhaus am Inselwall 4 befand.

Adolf Aronheim, der aufgrund seiner jüdischen Wurzeln am 10. November 1938 in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt und Mitte Dezember wieder entlassen wurde, vergiftete sich unmittelbar vor seinem Abtransport nach Theresienstadt am 4. Mai 1943. Er wurde am 10. Mai 1943 auf dem Evangelischen Hauptfriedhof in Braunschweig beigesetzt. Auf seinem Stolperstein stehen die Worte: „Hier wohnte Adolf Aronheim, Jg. 1881, Schutzhaft 1938, Buchenwald gedemütigt/entrechtet, Flucht in den Tod 4.5.1943.“

Text: Gerhard Gizler
Fotos: Eintracht-Archiv

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