Jahresrückblick 2021 - Teil 3

Von September bis Dezember

Nach einem soliden Saisonstart und vier Spielen ohne Niederlage waren die Löwen unter den ersten fünf Tabellenplätzen angekommen. Doch zunächst mussten die Blau-Gelben eine kleinere Pause einlegen. Die Partie gegen den SC Freiburg II musste aufgrund terminlicher Schwierigkeiten mit den Länderspielen der U19-Nationalmannschaften verschoben werden. Als nächste Herausforderung stand damit direkt das Niedersachsen-Duell mit dem VfL Osnabrück auf dem Programm.

In einem rassigen Duell drehten die Löwen einen 0:1-Rückstand in der zweiten Hälfte innerhalb weniger Minuten durch Maurice Multhaup und Lion Lauberbach in eine 2:1-Führung. Der späte Ausgleich der Osnabrücker sorgte dann zwar für ordentlich Frust bei der Mannschaft von Michael Schiele, für die Situation an der Spitze des Tableaus hatte es aber keine großen Auswirkungen. Nur drei Tage später kassierte die Eintracht dann einen unangenehmen Nackenschlag. Da sich nur die ersten vier Drittligisten am Ende der Spielzeit direkt für den DFB-Pokal qualifizieren, müssen die Vereine der 3. Liga alle auch den Weg über die eigenen Landespokale gehen. Der Sieger erhält einen Platz in der ersten Runde des nächstjährigen nationalen Pokalwettbewerbs. Nachdem der BTSV bereits souverän den VfL Oldenburg schlagen konnte, ging es in der Englischen Woche zum VfV Borussia 06 Hildesheim. In einer umkämpften Partie fanden die Blau-Gelben nie so richtig in ihr Spiel und konnten ihre Spielweise aus dem Ligaalltag nicht auf den Platz bringen. Das nutzen die Hildesheimer, trainiert von Ex-Löwe Markus Unger, eiskalt aus. Mit einem 2:2 nach 90 Minuten ging es ohne Verlängerung direkt ins Elfmeterschießen, in dem gleich insgesamt fünf Schützen an den eigenen Nerven oder dem gegnerischen Torhüter scheiterten. Die Überraschung war perfekt, als Thomas Sonntag den letzten Elfmeter an Yannik Bangsow vorbei im Netz unterbringen konnte. Eine bittere Niederlage für die Schiele-Elf. Viel Zeit zum Nachdenken und Grübeln blieb allerdings nicht.

Harter Start für einen Lauf

Am Wochenende danach mussten die Löwen zum MSV Duisburg. Eine schwierige erste Hälfte sorgte in der Schauinsland-Reisen-Arena für die zweite Pleite der Saison. Die unruhigen Phasen der Eintracht zu Beginn der Begegnung nutzten die Zebras gleich drei Mal konsequent und konnten den Blau-Gelben so die drei Punkte abnehmen. Die späten Tore von Martin Kobylanski und Philipp Strompf kamen aus Sicht der Löwen leider zu spät. Nach einem Sieg im Nachholspiel bei der Zweitvertretung des SC Freiburg II durch einen Kopfballtreffer von Robin Krauße unter der Woche, folgte dann ein torloses Remis gegen Waldhof Mannheim im heimischen EINTRACHT-STADION. Die Eintracht war durch die vergangenen Partien auf den siebten Tabellenrang abgerutscht. Zudem plagten Coach Schiele erneut Verletzungssorgen. Nach einem Muskelfaserriss kehrte Luc Ihorst gegen den SVWW zurück auf die Bildfläche und verletzte sich nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung erneut am Oberschenkel. Die Diagnose war schnell gestellt: Ein weiterer Muskelfaserriss an einer anderen Stelle bedeutete erneut eine längere Pause für den Stürmer. Er würde den Löwen damit für weitere sechs Wochen fehlen. So fuhr die Eintracht ohne den 21-Jährigen zum Tabellensiebten aus Saarbrücken, wo letztendlich eine erneute Punkteteilung zu Buche stand. Der offene Schlagabtausch der beiden Teams endete mit einem Eigentor von FCS-Verteidiger Pius Krätschmer, der das Leder fünf Minuten vor dem Abpfiff zum 2:2 in die eigenen Maschen grätschte. Vier Spiele ohne Sieg, drei Unentschieden und eine Niederlage leiteten dann allerdings die erfolgreichste Phase der Löwen im Jahr 2021 ein.

Neun Spiele, sieben Siege

Die vier Partien ohne ein Erfolgserlebnis waren für die Blau-Gelben ernüchternd, aber kein Genickbruch. Die Löwen ließen sich nicht unter Druck setzen und zeigten auf dem Rasen immer wieder großen Willen, Leidenschaft und Spielstärke. Besonders zeigte sich das am 16. Oktober im Aufeinandertreffen mit Borussia Dortmund II. In dem wohl spektakulärsten Spiel des Jahres sicherte sich der BTSV einen 4:2-Sieg vor heimischer Kulisse und sorgte mit einer unbändigen Moral für Jubelstürme auf den Tribünen. Held des Tages war ein weiteres Mal in dieser Spielzeit Keeper Jasmin Fejzic, als er in der 89. Minute beim Stand von 3:2 aus Braunschweiger Sicht einen Handelfmeter von Berkan Taz sensationell parieren konnte und somit den Sieg festhielt. An dieser Stelle sollte aber auch die spektakuläre Rettungstat von Jannis Nikolaou Erwähnung finden, der nach dem gehaltenen Elfer geistesgegenwärtig den Ball aus der Gefahrenzone klärte. Aus einem unglaublichen, kräfteraubenden Sprint von Lauberbach über die linke Außenbahn und das halbe Feld, resultierte ein überlegter Pass in die Mitte nur zwei Minuten danach, bei dem Kobylanski keine großen Mühen hatte, ihn zum 4:2-Endstand zu veredeln. Doppeltorschütze Bryan Henning, der auch noch einen Treffer für Enrique Peña Zauner auflegen konnte, und Torhüter Fejzic wurden nach dem Schlusspfiff von den Löwen-Fans mit Sprechchören gefeiert. Diese Partie ließ keine Zweifel mehr an den Fähigkeiten der Mannschaft übrig und gab ordentlich Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben.

So gewannen die Löwen dominant ihr Duell beim TSV Havelse, eine Nachholpartie bei den Würzburger Kickers, das Heimspiel gegen Türkgücü München und zeigten eine bärenstarke Leistung gegen den direkten Konkurrenten aus Meppen, der nach einem Lauf von fünf ungeschlagenen Spielen gleich fünf Gegentreffer an der Hamburger Straße hinnehmen musste. Auch Viktoria Köln hatte in seiner Begegnung mit den Jungs von der Oker nichts zu feiern. Nach seiner Einwechslung markierte Benjamin Girth fünf Minuten vor Schluss mit seinem ersten Saisontor die 2:1-Führung für den BTSV. Er war der 15. Torschütze im blau-gelben Trikot in der laufenden Spielzeit. Bei keinem anderen Drittligisten konnten so viele unterschiedliche Akteure einen Treffer erzielen. Top-Torschütze ist dabei Angreifer Lauberbach gewesen. Der Sommer-Neuzugang traf in der Hinserie insgesamt acht MAL und gab zudem auch noch zwei Vorlagen für seine Mitspieler. Neben ihm rückte auch Fejzic immer wieder in den Fokus. Der Torhüter legte dank seiner Leistungen und denen seiner Abwehrreihe die meisten Zu-Null-Partien aller Drittliga-Keeper hin. In bisher 21 Spielen blieb der 35-Jährige zehn Mal ohne einen Gegentreffer. Das sind fast 50 Prozent aller bisherigen Ligapartien. Mit Kobylanski, Krauße und Henning teilen sich übrigens gleich drei Löwen die interne Vorlagenkrone, alle drei konnten fünf Tore für die Blau-Gelben mit dem entscheidenden Pass vorbereiten. Die Hinserie schloss die Eintracht auf einem direkten Aufstiegsplatz ab und auch der Punkteschnitt von 1,7 Punkten pro Partie kann sich durchaus sehen lassen. Die ersten ereignisreichen 21. Spieltage stehen in den Geschichtsbüchern und hätten nur bedingt besser verlaufen können. Weiter so, Männer! Im nächsten Jahr wieder voll angreifen!

Neuwahl

Abseits des Platzes kam es im November auf der Jahreshauptversammlung 2021 allerdings zu einer unschönen Thematik rund um die Braunschweiger Eintracht. Nachdem Christoph Bratmann im vergangenen Jahr bereits zum BTSV-Präsidenten gewählt worden war, trat der 52-Jährige aus voller Überzeugung erneut an und stellte sich den Mitgliedern des Gesamtvereins. Nach zahlreichen Ehrungen und der traditionellen Berichterstattung des Präsidiums wurde die geheime Wahl im Rahmen der hybriden Veranstaltung sowohl über das Online-Portal als auch direkt vor Ort durchgeführt. Das Endergebnis ergab, dass der Kandidat des Wahlausschusses nicht die Stimmenmehrheit auf sich vereinigen konnte. Nach dieser Entscheidung der Mitglieder zogen die übrigen vier Präsidiumskandidaten, namentlich Nicole Kumpis, Rainer Cech, Kay-Uwe Rohn und Benjamin Kessel, die an diesem Abend ebenfalls zur Wahl gestanden hatten, ihre Kandidatur zurück. Die Vereinsordnung sieht in so einem Fall eine Neuwahl des Präsidiums auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung vor, die im ersten Quartal des kommenden Jahres stattfindet. Christoph Bratmann wird dabei nicht noch einmal für sein bisherigen Amt kandidieren. Trotz der verpassten Wiederwahl ist das Präsidium des Gesamtvereins und der Aufsichtsrat der Eintracht Braunschweig GmbH & Co. KGaA weiter voll handlungs- und beschlussfähig. Kommissarisch bleibt das alte Präsidium bis zur Neuwahl geschäftsführend im Amt. Anfang Dezember wurde Nicole Kumpis von den Vorständen der Vereinsabteilungen zur Ersten Vizepräsidentin ernannt. Der Verein stellte im Zuge dieser Ereignisse ein neues Kandidaten-Team auf, welches auf der kommenden außerordentlichen Mitgliederversammlung kandidieren wird. Mit Nicole Kumpis wird nun erstmals eine Frau für das Amt des Präsidenten zur Wahl antreten. Für das Amt des Vizepräsidenten wird Uwe Fritsch kandidieren, Kay-Uwe Rohn als Vizepräsident der Abteilungen, sowie Rainer Cech als Vizepräsident Finanzen und Benjamin Kessel als Vizepräsident Fußball komplettieren das Präsidiumsteam.

Was war sonst noch los?

  • Anfang September verstarb Löwen-Legende Danilo Popivoda im Alter von 74 Jahren in seinem Haus in Montenegro. In Gedenken an den früheren Eintracht-Profi liefen die Blau-Gelben im ersten Heimspiel nach seinem Tod mit Trauerflor auf. Zudem gab es im EINTRACHT-STADION im Beisein von ehemaligen Mitspielern um Wolfgang Grobe, Dietmar Erler, Franz Merkhoffer, Peter Lübbecke, Reiner Hollmann, Uwe Krause, Uwe Nester, Dieter Zembski und Bernd Gersdorff eine Schweigeminute. Ruhe in Frieden, Popi! Du bleibst unvergessen.
  • Der neu gewählte Aufsichtsrat der Eintracht Braunschweig GmbH & Co. KGaA wählte auf seiner ersten konstituierenden Sitzung Ende September Christoph Bratmann einstimmig zum Vorsitzenden des Gremiums. Jens-Uwe Freitag wurde ebenfalls mit einer einstimmigen Wahl zu dessen Stellvertreter bestimmt.
  • Bei der Spendenaktion der Eintracht Braunschweig Stiftung rund um das Heimspiel gegen Waldhof Mannheim kamen 10.000 Euro für die kleine Chiara zusammen, die mit einer Fehlbildung beider Beine geboren wurde. Die Spenden helfen den Eltern bei der Finanzierung einer Behandlungsmöglichkeit für das kleine Mädchen. Das war fantastisch! Vielen Dank für Eure großartige Unterstützung, Löwen-Fans!
  • Im September starteten die Nachwuchsspieler der Löwen im Rahmen des blau-gelben Entwicklungskonzeptes facettenreiche Sozialprojekte. Während die U15 am Projekt „Die gläserne Stadt“ teilnahm und in die Alltagswelten von Partnerinstitutionen wie der Polizei Braunschweig und Radio Okerwelle eintauchte, kooperierte die U13 mit der Freiwilligen Feuerwehr Rüningen und verbrachte einen spannenden Projekttag auf dem Gelände der Feuerwehr.
  • Zwei neue Sponsoren zieren mittlerweile das Löwen-Trikot. Die Juskys Gruppe GmbH aus Salzgitter baute im Oktober die bestehende Partnerschaft aus und ist seitdem mit ihrem Logo auf dem linken Ärmel des Jerseys zu finden. Im Dezember folgte die Öffentliche Versicherung Braunschweig, die seit dem Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern als erster Rückensponsor in der Geschichte der Eintracht mit ihrem Logo unterhalb der Rückennummer abgebildet ist.
  • Am 1. November startete das Format „Eintracht-Talk live“ mit seiner ersten Episode aus der Wahren Liebe. In zwei knapp 45 Minuten langen Gesprächsrunden drehte sich vor Live-Publikum zunächst alles um die aktuelle Situation bei der Eintracht und später mit vier ehemaligen Löwen-Profis als Gästen um die ereignisreiche blau-gelbe Vergangenheit. Wir freuen uns jetzt schon auf die nächste spannende Ausgabe!
  • Der BTSV Eintracht von 1895 e.V. startete im November seine eigene App, mit Hilfe dieser ab sofort die wichtigsten Informationen über den BTSV einfach über das Mobilgerät abgerufen werden können. Alle Abteilungen werden dabei permanent mit Neuigkeiten versorgt und aktualisiert. Die App steht sowohl im Apple Store als auch im Google Play Store zum Herunterladen bereit. Ein weiterer Baustein für die Digitalisierung des Vereins!
  • Im November war die Frauen-Nationalmannschaft für ein WM-Qualifikationsspiel an der Hamburger Straße zu Gast. Vor knapp 2.600 Zuschauern feierten die DFB-Frauen gegen die Türkei ein absolutes Schützenfest und verwöhnten die Fans mit einem dominanten 8:0-Erfolg.
  • Anfang Dezember verkündete die Eintracht, aktuell an einem Konzept zum Erhalt des Stadionnamens „EINTRACHT-STADION“ zu arbeiten. Zur neuen Saison werden die Rechte an diesem neu vergeben und sollen nach Möglichkeit langfristig für einen Zeitraum von zehn Jahren vermarktet werden. Der Erhalt des bisherigen Stadionnamens ist dabei nicht nur der Wunsch vieler Fans, sondern auch des Präsidiums des BTSV, sowie des Aufsichtsrates der Eintracht Braunschweig GmbH & Co. KGaA.

Auf ein löwenstarkes 2022! Wir wünschen Euch ein blau-gelbes Silvester und einen guten Rutsch ins neue Jahr, liebe Löwinnen und Löwen!

Fotos: Eintracht, Agentur Hübner, imago/regios24, imago/Joachim Sielski, imago/Herbert Bucco

Jahresrückblick 2021 - Teil 3