125 Jahre Eintracht Braunschweig

Meyer: "Wir werden eine sehr, sehr gute Präsenz und Performance zeigen“

Pressekonferenz vor dem Derby bei Hannover 96

Am Samstag steigt das 175. Duell zwischen den Löwen und dem Nachbarn aus der niedersächsischen Landeshauptstadt. Auf der Pressekonferenz vor der Begegnung sprachen Chef-Trainer Daniel Meyer und Geburtstagskind Benny Kessel über...

...das Personal:
Meyer: “Neben Niko Kijewski fehlt weiterhin noch Patrick Kammerbauer. Ansonsten sind alle fit. Der Ausfall von Niko tut uns natürlich weh, ihn werden wir nicht eins zu eins ersetzen können. Er ist ein wichtiger Faktor und gerade in so einem Spiel fehlt er besonders, weil er ja schon viele Jahre in Braunschweist ist. Es ist aber leider, wie es ist. Für seinen Ausfall werden wir Lösungen finden.“

...die Vorfreude:
Meyer: “Das Derby war schon großes Thema nach dem Aufstieg und dementsprechend hat uns das in Vorbereitung begleitet, zumindest als bekannt war, dass wir so früh in der Saison gegen Hannover spielen. Die Vorfreude ist groß. Gerade die Neuen haben viel über das Duell gehört und welche Bedeutung die Begegnung in der Stadt hat.“

...den 6. April 2014:
Kessel: “Natürlich habe ich nur gute Erinnerungen an diesen Tag. Es war das Bundesligajahr 2014, wo wir hier im EINTRACHT-STADION das Derby mit 3:0 für uns entscheiden konnten. Es war ein ganz besonderer Tag. Wegen solchen Spielen ist man Fußballer geworden. Wir hoffen natürlich, dass wir das am Samstag in ähnlicher Form wiederholen können.“

...den Gegner:
Meyer:
“Wir sind noch früh in der Saison, deswegen sollte man vorsichtig sein mit Prognosen. Fakt ist, dass Hannover in den beiden Spielen noch nicht so stabil war, wie sie sich das selber vorstellen und auch noch Neuzugänge zu integrieren haben. Wir beschreiten einen ähnlichen Weg. In erster Linie sind wir aber auf uns selber fokussiert. Wir haben drei Pflichtspiele absolviert und hatten davor auch Fragezeichen im Raum stehen, wie wir beispielsweise unseren Fußball umsetzen können und wie wettbewerbsfähig wir sind. Stand jetzt sind wir sehr zufrieden.“

Kessel: “Hannover ist bisher nicht so gestartet, wie sie sich das vorgenommen haben. Es ist eine individuell topbesetzte Mannschaft. Auf allen Positionen sind sie gut bestückt. Wir haben Respekt vor der Mannschaft, fahren aber ohne Angst dorthin und wollen unser Spiel auf den Platz bringen.“

...die Trainingswoche:
Meyer: “Wir haben versucht, uns auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Wir haben ein Spiel zu spielen und einen Gegner, der eine gewisse Marschrichtung hat. Ich erlebe die Mannschaft sehr ruhig und sehr fokussiert. Wir haben eine klare Idee, wie wir das am Wochenende angehen wollen. Dementsprechend sind wir sensibilisiert für die Nebenthemen, rücken sie aber nicht in den Mittelpunkt. Wir wollen zusehen, dass wir uns auf die sportlichen Themen konzentrieren. Am Ende liegt die Wahrheit auf dem Platz, das ist das entscheidende. Am Samstag werden wir rüber fahren und voll da sein. Wir werden eine sehr, sehr gute Präsenz und Performance zeigen.“

...das Warten auf das erste Tor in der 2. Bundesliga:
Meyer: “Gegen Heidenheim haben wir zu kompliziert gespielt, was auch daran lag, dass der FCH sich nach der Führung weit zurückgezogen hat. Gegen einen sehr starken Gegner aus Kiel war ich schon der Meinung, dass wir einen guten Zug zum Tor hatten. Uns fehlen zurzeit einfach das Erfolgserlebnis und der Punch. Ich würde mir erst Sorgen machen, wenn wir keine Torchancen haben. Entscheidend ist, dass wir über alle drei Pflichtspiele hinweg Phasen hatten, in denen wir strukturiert den Ball ins letzte Drittel bekommen haben. Da war wenig Zufall dabei. Wir müssen sehen, dass wir das Leder über die Linie bringen. Aber nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit wird der Zeitpunkt relativ nah liegen.“

...die unterschiedlichen Ambitionen:
Meyer: “Wir betonen auch, dass wir in einem Entwicklungsprozess sind. Wenn man dann mal betrachtet in welchem Regal Hannover unterwegs ist, wenn sie Spieler einkaufen, ist das schon eine andere Nummer. Wir legen das Augenmerk eher auf Akteure aus unteren Ligen legen und auf Perspektivspieler, die wir integrieren wollen. Das will ich gar nicht gegen einander aufwiegen. Die Ansprüche sind klar formuliert. Wir sind Aufsteiger, wir sind im Umbruch und wir wollen uns in dieser Liga etablieren. Wir kommen mit einem Rucksack aus den vergangenen zwei Jahren. Hier ist alles neu, ich bin auch neu hier. Es gibt also keinen Übertrag oder Wettkampferfahrung. Unsere Zielstellung haben wir ganz klar formuliert. Hannover hat das auch getan, sie wollen in die Bundesliga zurückkehren. Sie haben sicherlich den Entwicklungsvorsprung, weil der Kollege einige Monate länger da ist. Aber das wird am Ende keine Rolle spielen.“

...die Partie ohne Gästefans:
Meyer:
“Wir müssen auf der einen Seite den Finger heben. Das ist beim Aufstieg in die zweite Liga überregional wahrgenommen worden. Wir haben eine Grundverantwortung nach außen in der Corona-Phase. Wir wissen um die Unterstützung der Fans. Wir brauchen keine großen Gesten, wir sind uns der Verantwortung bewusst. Deswegen ist es in diesen Zeiten nicht so, dass wir eine große Erwartungshaltung haben und wir uns wünschen, dass wir eine Straßenparade erleben werden. Wir hoffen eher auf die Vernunft und müssen daran auch appellieren. Es gibt eine gesellschaftliche Verantwortung, die man im Fußball hat und der wollen wir gerecht werden.“

Kessel: “Es ist natürlich schade, dass wir auswärts keine Unterstützung bekommen. Klar, es werden Samstag ‘nur‘ 10.000 da sein, aber die sind alle gegen uns. Damit müssen wir umgehen können. Wir hätten selbstverständlich gerne unsere treuen Fans dabei gehabt, aber wir hoffen auch ohne die Unterstützung vor Ort das Spiel positiv bestreiten zu können.“

...die Erwartungen an die Partie:
Meyer: “Wir können quasi mehrfach täglich online lesen, welcher Sturm uns dort erwarten wird. Wir nehmen das zur Kenntnis. Aus unserer Perspektive sieht es so aus, dass in Hannover ordentlich Druck auf dem Kessel ist. Ich weiß nicht, ob man mit solchen Ankündigungen die Erwartungshaltung nicht noch erhöt. Wir sind darauf vorbereitet, dass wir maximalen Widerstand haben werden und dass es ein emotionales Spiel ist. Wir konzentrieren uns auf unsere Stärken und sind komplett bei uns. Ich wünsche ihnen, dass sie diese Vielzahl der Ankündigungen dann auch wirklich umsetzen können. Selbst, wenn ihnen alles gelingt, heißt es nicht, dass sie gegen uns gewinnen.“

...den schleppenden Ticketverkauf bei 96 und eine mögliche Fußballmüdigkeit:
Meyer:
“Ich glaube nicht, dass eine Fußballmüdigkeit da ist. Es hat sich vielmehr etwas emotional entfernt, da die Menschen nicht dabei sein können. Das Stadionerlebnis definiert sich im harten Kern der Fans eben auch darüber, mit ihren Leuten gemeinsam ins Stadion zu gehen, an ihrem Platz neben ihrem Nebenmann zu stehen und aus dieser Gemeinschaft heraus ein Spiel zu erleben. Da diese Grundtradition momentan nicht einzuhalten ist, sagen wahrscheinlich viele, dass es einfach nicht dasselbe Erlebnis ist wie sonst. Ich denke nicht, dass es ein Problem ist, dass die Leute keine Lust mehr auf Fußball haben, sondern durch ihre Erwartungshaltung an das Stadionerlebnis schnell enttäuscht sein könnten. Die Menschen vor und im Stadion sind ein Grund dafür, weshalb es so viel Spaß macht, auf diesem Niveau zu spielen. Gegen Kiel war es ein riesen Unterschied – die Fans gehören einfach mit dazu. Es ist Wahnsinn, was in der Welt momentan los ist, nicht nur im Fußball. Wir sind dankbar über jeden, der ins Stadion darf und froh, wenn die Konzepte funktionieren.“   

Kessel: “Ich denke, in Braunschweig hätten die Fans bis zur Straße Schlange gestanden. Ich glaube nicht, dass es hier zu diesem Zeitpunkt noch ein Ticket gegeben hätte. Wieso es in Hannover noch so viele Karten gibt, weiß ich nicht. Ich gehe davon aus, dass es ausverkauft sein wird. Dass eine Fußballmüdigkeit eintritt, kann ich mir nicht vorstellen. Die Fans freuen sich auf die Stadionatmosphäre und wollen das Spiel nicht nur vor dem Fernseher verfolgen. Das hat man auch bei unserem letzten Heimspiel gesehen, bei dem zwar 'nur' 3.500 Menschen im Stadion waren – von der Stimmung her war es jedoch fast so, als wäre es ausverkauft gewesen. Die Leute, die dabei waren, sind einfach unglaublich froh gewesen, uns wieder spielen zu sehen.“

Die ausgesuchten Fan-Fragen wurden alle innerhalb der PK beantwortet. In zwei Wochen habt ihr eine neue Chance!

Foto: Agentur Hübner