125 Jahre Eintracht Braunschweig

Saisonrückblick 2019/2020 Teil drei

Corona-Pause, Saisonendspurt und der Aufstieg!

Als sich Anfang des Jahres das sogenannte Corona-Virus ausgebreitet hat, konnte sich in Braunschweig, Deutschland und ganz Europa wohl niemand vorstellen, dass der Virusausbruch zu einer globalen Pandemie werden würde. Es folgte ein kompletter Stillstand, Verbunden mit Ausgangs- und Kontaktverboten, Wirtschaft und Bevölkerung wurden hart getroffen. Der Fußball rückte schnell in den Hintergrund. Die Eintracht und die Fans der Löwen merkten, wie schnell die Normalität aus den Fugen geraten kann. Der komplette Fußball kam zum Erliegen – etwas Vergleichbares hatte es im deutschen Profi-Fußball noch nicht gegeben.

Am 11. März, also zwei Tage nach der bitteren 0:3-Niederlage bei Hansa Rostock, entschied der DFB die kommenden beiden Spieltage gegen Viktoria Köln und beim Halleschen FC zu verschieben, ehe der Spielbetrieb bis zum 30. April 2020 komplett ausgesetzt werden sollte. In diesem Zuge stimmten sämtliche Eintracht-Mitarbeiter der Kurzarbeit zu, um den eigenen Verein finanziell zu entlasten. Kurze Zeit später traf dies auch auf Profis und Trainerteam zu.

Bei der Eintracht wurde aus der Not jedoch eine Tugend gemacht und die drei kommenden Spiele gegen Großaspach, Unterhaching und Preußen Münster wurden vom Stadionrasen auf den virtuellen Rasen der Konsole gelegt. Die ersten beiden Begegnungen bestritt Marcel Bär, gegen Münster zeigte Robin Ziegele sein Können. Zahlreiche Eintracht-Fans fieberten vor dem Live-Stream mit und kauften fleißig virtuelle Tickets sowie Bratwurst von Gmyrek und kühles Wolters. Wir bedanken uns für insgesamt 1527 Bestellung, das hat uns sehr geholfen.

Nach fünf Wochen ohne Ball am Fuß begann am 22. April das Training in Kleingruppen, ab dem 12. Mai wurden Team und Staff im Abstand weniger Tage regelmäßig getestet. Die Ergebnisse blieben durchgehend negativ und so konnte am 18. Mai zu normalem Mannschaftstraining übergegangen werden. Bevor am 30. Mai mit dem Nachholen der Pflichtspiele begonnen werden konnte, war ein siebentägiges Quarantäne-Trainingslager vorgeschrieben, das die Löwen in Barsinghausen durchführten.

Mit drei Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz und sechs Punkten Rückstand auf Tabellenführer Duisburg ging es nach dem Re-Start also weiter und die Löwen legten von Anfang an gute Ergebnisse hin: 4:2 gegen Köln, 1:0 in Halle, 1:1 gegen Bayern II, 3:1 in Unterhaching. Der entscheidende Unterschied war in dieser Phase, dass die Löwen auch die engen Spiele über die Zeit brachten, wie beim 2:1 gegen Großaspach, 0:0 in Ingolstadt, 1:0 gegen Münster und ein 2:1-Sieg in Chemnitz. Zudem machte sich der große Kader der Löwen bezahlt. Marco Antwerpen teilte sein Team in zwei Mannschaften auf, in eine Team, das die Heimspiele bestritt und eines, das auswärts ran durfte. Zudem hatten die Eintracht einen Martin Kobylanski in Topform, der mit neun Toren und drei Vorlagen maßgeblich am Aufstieg beteiligt war. Mit diesen Spielen war der Rückstand auf die Spitzenplätze dahin und Eintracht stand punktgleich mit Tabellenführer Bayern II auf dem zweiten Tabellenplatz.

Als der Aufstieg schon so nah gewesen und man in Zwickau schon mit einem Bein über die Ziellinie hätte gehen können, ließ man sich die kurz vor Abpfiff erkämpfte Führung noch nehmen, das Spiel entglitt vollkommen und am Ende stand man beim 2:3 mit leeren Händen da. Ein harter Schlag.

Doch das Drehbuch zum Aufstieg am vorletzten Spieltag hätte man kaum besser schreiben können. Mit einem umkämpften 3:2-Sieg gegen Waldhof Mannheim machten die Löwen ihre Hausaufgaben, auch der 1. FC Magdeburg spielte für uns und besiegte Ingolstadt. Es hing nun an der zweiten Mannschaft des FC Bayern, die gegen Duisburg nicht verlieren durfte, allerdings bis zur Nachspielzeit mit 1:2 zurücklag. Da das Spiel später angepfiffen wurde und noch einige Minuten zu gehen waren, ließ die Stadionregie das Parallel-Spiel über die Bildschirme des Stadions flimmern. Das Stadion, nur gefüllt mit den Mannschaften, Vereinsdelegationen und –mitarbeitern, hielt den Atem an und blickte gespannt auf die Monitore. Als Leon Dajaku kurz vor Schluss den Ausgleich für Bayern besorgte und anschließend der Abpfiff ertönte, gab es kein Halten mehr. Die Spieler lagen sich in den Armen, die Freude auf der Tribüne war nicht in Worte zu fassen. Die Eintracht war zurück in der 2. Bundesliga!

Eine durchwachsene Saison, in der es lange nicht danach aussah, mündete in den direkten Aufstieg. Denn am Ende kackt die Ente! Wir sind zurück in Liga zwei!

Was war sonst noch los?

  • Seit dem 20. März sind in Braunschweig und Umgebung blau-gelbe Einkaufshelfer unterwegs, um Einkäufe und Rezeptbeschaffungen für Personen von Corona-Risikogruppen zu übernehmen.
  • Am 20. März trauerte die ganze Eintracht-Familie um Johann Schröter. Der Co-Trainer der U12 war seit der Geburtsstunde des NLZ mit an Bord und betreute an Spieltagen mit seiner liebevollen Art an Spieltagen die Balljungen und Einlaufkids. Johann, du fehlst! Wir werden dich nie vergessen.
  • Ein besonderes Event konnte wegen Corona leider nicht stattfinden. Am 26.  März wäre die U21-Auswahl des DFB im EINTRACHT-STADION auf die Auswahl Österreichs getroffen.
  • Das Bündnis „Eintracht hilft“ nähte Schutzmasken für Institutionen, die in dieser Zeit besonders relevant sind. So gingen Masken an die Braunschweiger Tafel, die Stadtverwaltung  sowie die Caritas.
  • Um in Zeiten von Geisterspielen etwas Stadion-Atmosphäre zu erzeugen, veranstaltete Eintracht Braunschweig in Zusammenarbeit mit mehreren Partnern am 7. Juni zum ersten Mal einen „Stadion Drive-In“. Mit dem Auto oder Fahrrad konnten im Stadionumlauf hinter der Südtribüne verschiedene Stände abgefahren werden und sich unter anderem mit Bier & Bratwurst oder Fanartikeln eingedeckt werden.
  • Ende Juni verließ Deniz Dogan die Eintracht. 2007 kam er als Profi zur Eintracht, in der Folge war er spielender Co-Trainer der U23 und zum Schluss führte er die U19 für zwei Jahre in der Regionalliga Nord. Nach 13 Jahren sah er es an der Zeit, eine neue Herausforderung anzugehen.
  • Nachdem die Saison vorbei war, wurde der Eintracht eine große Ehre zuteil. Am Sonntag nach dem letzten Saisonspiel in Meppen trug sich das gesamte Team ins Goldene Buch der Stadt Braunschweig ein.

Eintracht Braunschweig bedankt von Herzen sich bei allen Partnern, Sponsoren, Fans und sonstigen Unterstützern für Ihre Treue in der schwierigen vergangenen Saison.

Fotos: Eintracht / Agentur Hübner / imago images / Sven Leifer