Alles neu in Köpenick

Der 1. FC Union Berlin in der Vorschau

Pokalzeit an der Hamburger Straße! In der 1. Runde des DFB-Pokals empfängt die Eintracht am Sonntag um 15.30 Uhr den Bundesligisten 1. FC Union Berlin im EINTRACHT-STADION. Für die „Eisernen“ ist das Duell mit den Löwen zugleich das erste Pflichtspiel unter ihrem neuen Cheftrainer Mauro Lustrinelli. Alles Wichtige zum Gegner aus Köpenick gibt es in unserer Vorschau.

Wissenswertes

  • Lufthoheit: Wenn es hoch hinausging, machte Union in der vergangenen Saison so schnell niemand etwas vor. Die Köpenicker gewannen 848 Kopfballduelle und damit mehr als jede andere Mannschaft der Bundesliga. Zum Vergleich: Die zweitplatzierte TSG Hoffenheim kam auf 784 gewonnene Kopfballduelle.
  • Flanke gesucht: Der direkte Weg gehörte auch zuletzt zum Berliner Repertoire. Union schlug im Schnitt 15 Flanken pro Bundesliga-Partie und damit sogar mehr als der Liga-Durchschnitt von 14. Rund jede vierte Hereingabe fand einen Mitspieler.
  • Gern gesehener Gegner: Die jüngsten Duelle machen aus Braunschweiger Sicht Mut. Seit der letzten Pflichtspielbegegnung 2018 trafen beide Vereine dreimal in Testspielen aufeinander. Keines davon verlor die Eintracht. 2021 und 2022 gewannen die Löwen mit 2:1 beziehungsweise 1:0, im September 2024 gab es ein 2:2. 

Unter Beobachtung

  • Emmanuel Latte Lath: Der ivorische Nationalspieler wechselte Anfang August auf Leihbasis von Atlanta United an die Alte Försterei. Der 27-Jährige bringt Erfahrung aus Italien, der Schweiz, England und den USA mit. Seine Qualitäten stellte der Angreifer insbesondere beim FC Middlesbrough unter Beweis, ehe es ihn Anfang 2025 in die MLS zog. Nun soll er bei Union für die nötige Durchschlagskraft im Sturmzentrum sorgen.
  • Marvin Friedrich: Nach viereinhalb Jahren bei Borussia Mönchengladbach kehrte der Innenverteidiger in diesem Sommer nach Köpenick zurück. Bereits von 2018 bis Januar 2022 trug Friedrich das Union-Trikot und gehörte dabei unter anderem zur Mannschaft, die 2019 erstmals in die Bundesliga aufstieg. Der mittlerweile 30-Jährige bringt reichlich Bundesliga-Erfahrung mit und soll einer neu formierten Berliner Defensive Stabilität verleihen.
  • Zeno Van Den Bosch: Der Belgier ist ein weiteres neues Gesicht in der Hintermannschaft. Der 22-Jährige kam von Royal Antwerpen nach Berlin und kann trotz seines jungen Alters bereits auf mehr als 100 Pflichtspiele im Profibereich zurückblicken. Mit Royal Antwerpen gewann Van Den Bosch zudem bereits die belgische Meisterschaft und den Pokal. Bei der 2:4-Generalprobe gegen Ipswich bewies der Innenverteidiger auch seine Qualitäten vor dem gegnerischen Tor und erzielte die zwischenzeitliche 1:0-Führung.

Die Lage

Beim 1. FC Union Berlin beginnt die Saison mit einigen Veränderungen. Nach dem Trainerwechsel zu Mauro Lustrinelli arbeitet der Bundesligist an einer neuen Spielidee. Viererkette statt der lange Zeit für Union typischen Dreier- beziehungsweise Fünferkette, dazu ein 4-4-2 und aggressives Pressing: Der neue Coach will seiner Mannschaft eine andere Handschrift verpassen. Dass dieser Prozess noch nicht abgeschlossen ist, zeigte die Vorbereitung. Nur drei der zehn Testspiele entschieden die Köpenicker für sich, in neun Partien kassierten sie mindestens ein Gegentor. Bei der Generalprobe gegen Ipswich Town musste sich Union trotz zwischenzeitlicher Führung mit 2:4 geschlagen geben. Lustrinelli zeigte sich anschließend dennoch gelassen und verwies auf die vielen neuen Abläufe und personellen Veränderungen. Gerade in der Defensive hat sich das Gesicht der Mannschaft verändert. Mit Danilho Doekhi und Diogo Leite verließen zwei langjährige Innenverteidiger den Klub, dafür kamen unter anderem Rückkehrer Marvin Friedrich und Zeno Van Den Bosch hinzu. Im Angriff soll Leihgabe Emmanuel Latte Lath für zusätzliche Geschwindigkeit und Torgefahr sorgen. Der ivorische Nationalspieler kickte zuletzt bei seinem Stammverein Atlanta United FC in der US-amerikanischen MLS. Ganz abgeschlossen sind die Berliner Personalplanungen offenbar noch nicht. Erst wenige Tage vor dem Pokalspiel verpflichtete Union mit dem Schweizer Nationalspieler Michel Aebischer einen weiteren erfahrenen Akteur für das Mittelfeld. Bevor am kommenden Wochenende gegen Eintracht Frankfurt die mittlerweile achte Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte beginnt, wartet nun allerdings die erste Bewährungsprobe im Pokal. Dass die Aufgabe in Braunschweig kein Selbstläufer wird, machte Geschäftsführer Profifußball Horst Heldt bereits unmittelbar nach der Auslosung deutlich und bezeichnete das Duell mit dem Zweitligisten als schweres Los. Für Union geht es darum, die noch junge Entwicklung unter Lustrinelli erstmals unter Pflichtspielbedingungen auf den Platz zu bringen. Die Löwen wollen dem Favoriten dagegen einen heißen Pokalnachmittag an der Hamburger Straße bereiten.

Letzte Begegnung

Das bislang letzte Aufeinandertreffen mit dem 1. FC Union Berlin in einem Pflichtspiel liegt einige Jahre zurück, um genau zu sein am 18. Februar 2018. Doch damals durften die Löwen einen wichtigen Heimsieg gegen die Eisernen bejubeln. Nach einer zunächst ausgeglichenen und abwartenden Anfangsphase nutzte die Eintracht ihre erste gute Gelegenheit zur Führung: Ken Reichel setzte sich mit seinem Abschluss durch und traf in der 16. Minute platziert ins rechte untere Eck. Der Treffer gab den Braunschweigern zusätzlichen Schwung, die in der Folge mehrfach die Chance hatten, den Vorsprung auszubauen. Union-Keeper Mesenhöler verhinderte gegen Domi Kumbela und Julius Biada weitere Gegentore, während die Gäste offensiv nur selten für Gefahr sorgten. Nach dem Seitenwechsel übernahm Union zwar deutlich mehr Ballbesitz, blieb im letzten Drittel jedoch weitgehend harmlos. Die größte Möglichkeit auf die Vorentscheidung vergab Kumbela, der frei vor dem Tor einen Heber aus größerer Distanz versuchte und damit an Mesenhöler scheiterte. Anschließend kontrollierte die Eintracht das Geschehen zunehmend und ließ kaum noch etwas zu. Erst kurz vor Schluss musste Jasmin Fejzić bei einem Dropkick von Sebastian Polter noch einmal eingreifen. So brachte Blau-Gelb die knappe Führung über die Zeit und feierte mit dem 1:0 einen wichtigen Heimsieg gegen Union Berlin.

Foto: IMAGO/Matthias Koch