Das lange Warten

Holstein Kiel in der Vorschau

Flutlicht an der Hamburger Straße! Zum Auftakt des 7. Spieltags der 2. Bundesliga empfängt die Eintracht am Freitagabend um 18.30 Uhr Holstein Kiel im EINTRACHT-STADION. Die Gäste von der Ostsee warten nach sechs Spieltagen noch auf ihren ersten Saisonsieg und stehen ebenso wie die Löwen mit vier Zählern im Tabellenkeller. Nach der Länderspielpause wollen beide Mannschaften einen Neustart wagen. Alles Wissenswerte zum kommenden Gegner gibt es in unserer Vorschau.

Wissenswertes

  • An der Grenze: Die Kieler scheuen keinen Körperkontakt. Mit 86 Fouls am Gegner führt die KSV die Foulstatistik der 2. Bundesliga an. Auch bei den Verwarnungen mischen die Störche vorne mit. Bereits 16 Gelbe Karten und insgesamt 18 persönliche Strafen stehen nach sechs Spieltagen zu Buche.
  • Im Vollsprint: In Sachen Geschwindigkeit und Intensität gehören die Norddeutschen zu den auffälligsten Teams der Liga. 979 Sprints absolvierten die Kieler an den ersten sechs Spieltagen, dazu kommen 3.899 intensive Läufe.
  • Viel Ball, wenig Ertrag: Mit durchschnittlich 55 Prozent Ballbesitz ist Holstein Kiel derzeit die spielbestimmenste Mannschaft der 2. Bundesliga. Auch die Passquote von 84,7 Prozent kann sich sehen lassen (Platz 5 ligaweit). Trotzdem warten die Störche noch auf ihren ersten Saisonsieg. Insgesamt 2.807 Pässe spielten die Norddeutschen an den ersten sechs Spieltagen, davon fanden 2.384 einen Mitspieler.

Unter Beobachtung

  • Adrián Kaprálik: Über die Außenbahn sorgt der Slowake regelmäßig für Gefahr. In den ersten sechs Ligapartien gelangen dem 24-Jährigen bereits ein Treffer und zwei Torvorlagen. Mit seiner enormen Geschwindigkeit und seinen direkten Läufen in Richtung Strafraum ist Kaprálik ein wichtiger Bestandteil der Kieler Offensive. Neun eigene Torschüsse und 24 Flanken unterstreichen seinen Offensivdrang.
  • Phil Harres: Der Stürmer kommt in dieser Saison auf fünf Pflichtspieltreffer. Viermal war der 24-Jährige per Kopf erfolgreich, zuletzt traf er gegen Osnabrück vom Elfmeterpunkt. Darüber hinaus bereitete er zwei Tore vor und war damit in der 2. Bundesliga an sechs der insgesamt sieben Kieler Treffer direkt beteiligt. Wenn Harres traf, holte Holstein in der Liga vier Unentschieden. In den beiden Partien, in denen Harres ohne Tor blieb, ging Kiel dagegen leer aus: Sowohl beim 0:2 in Magdeburg als auch beim 0:1 in Heidenheim blieb die Mannschaft ohne eigenen Treffer und ohne Punkte.
  • Steven Skrzybski: Der Routinier bringt reichlich Erfahrung aus den beiden höchsten deutschen Spielklassen mit. Seit 2021 trägt der Offensivspieler das Trikot der Kieler und gehörte auch zur Mannschaft, die 2024 erstmals den Aufstieg in die Bundesliga schaffte. Der 33-Jährige ist vor allem durch seine Abschlussqualitäten, seine Beweglichkeit zwischen den Linien und seine Erfahrung ein wichtiger Faktor im Angriffsspiel der Norddeutschen.

Die Lage

Die bisherige Saison ist für Holstein Kiel eine Geduldsprobe. Nach dem erst spät gesicherten Klassenerhalt in der vergangenen Spielzeit wollten die Norddeutschen unter Cheftrainer Tim Walter wieder einen Schritt nach vorne machen. Stattdessen findet sich die KSV nach sechs Spieltagen mit lediglich vier Punkten auf dem Relegationsplatz wieder. Vor allem die fehlende Konstanz macht den Störchen zu schaffen. Auf gute Phasen folgen immer wieder Rückschläge, die den erhofften Befreiungsschlag bislang verhinderten. Dabei begann die Spielzeit mit durchaus unterhaltsamen Auftritten. Sowohl beim SV Darmstadt 98 als auch gegen den FC St. Pauli trennten sich die Kieler mit 2:2. Anschließend folgte beim 0:2 in Magdeburg die erste Niederlage, ehe die Mannschaft gegen den 1. FC Nürnberg erneut nicht über ein 2:2 hinauskam. Auch beim Bundesliga-Absteiger 1. FC Heidenheim gab es beim 0:1 nichts Zählbares. Besonders bitter verlief schließlich das letzte Ligaspiel vor der Länderspielpause: Gegen Aufsteiger VfL Osnabrück reichte eine Führung nicht zum erhofften ersten Dreier. Am Ende stand ein 1:1 und damit bereits die vierte Punkteteilung der Saison. Trainer Tim Walter machte nach der Begegnung keinen Hehl aus seiner Unzufriedenheit. Zwar sieht der 50-Jährige durchaus positive Entwicklungen im Spiel seiner Mannschaft, doch die Ergebnisse spiegeln diese bislang nicht wider. Gerade im letzten Drittel fehlt es den Kielern häufig an der nötigen Konsequenz. Sieben erzielte Treffer stehen zehn Gegentoren gegenüber. Auch defensiv gelang es den Störchen noch nicht, die erhoffte Stabilität zu entwickeln. Immerhin konnte die KSV während der Länderspielpause beim 3:1-Testspielsieg gegen den dänischen Erstligisten Viborg FF etwas Selbstvertrauen sammeln. Allerdings verletzte sich dabei Mittelfeldspieler Kasper Davidsen am Oberschenkel und fällt für die Partie in Braunschweig aus. Nun wartet an der Hamburger Straße ein richtungsweisendes Duell. Mit jeweils vier Punkten stehen beide Mannschaften unmittelbar nebeneinander in der Tabelle. Während die Eintracht nach dem erfolgreichen Saisonauftakt in Magdeburg seit fünf Ligaspielen auf einen weiteren Dreier wartet, will Kiel endlich seinen ersten Sieg der Spielzeit einfahren. Für die Störche geht es darum, nach der Länderspielpause einen neuen Anlauf zu nehmen und den Anschluss an das Tabellenmittelfeld nicht zu verlieren. Die Löwen wiederum wollen vor heimischer Kulisse die Trendwende schaffen und mit einem Erfolgserlebnis in die kommenden Wochen starten.

Die letzte Begegnung

Nach dem wichtigen Auswärtssieg in Kaiserslautern Ende April dieses Jahres wollte die Eintracht auch in Kiel am 2. Mai nachlegen, musste sich am Ende jedoch mit 0:2 geschlagen geben. Die Löwen starteten engagiert in die Partie und kamen durch Jovan Mijatovic früh zur ersten Möglichkeit, während Thorben Hoffmann auf der Gegenseite mit zwei starken Paraden einen Rückstand verhinderte. Auch Johan Gómez sorgte mit einem Distanzschuss an die Latte für Gefahr. Nach einer zunächst ausgeglichenen Anfangsphase nutzten die Gastgeber jedoch eine gut ausgespielte Kombination zur Führung: Phil Harres musste nach Vorarbeit von Jonas Therkelsen nur noch einschieben. Bis zur Pause übernahm Kiel zunehmend die Kontrolle, sodass es mit dem knappen Rückstand in die Kabine ging. Nach mehreren Wechseln präsentierte sich die Eintracht im zweiten Durchgang deutlich offensiver und drängte auf den Ausgleich. Besonders Lukas Frenkert kam nach Standardsituationen zu guten Kopfballmöglichkeiten, traf dabei unter anderem die Latte. Auch in der Schlussphase hielten die Löwen den Druck hoch, doch Timon Weiner parierte einen Distanzschuss von Max Marie, während Faride Alidou eine weitere Chance per Kopf nicht nutzen konnte. Stattdessen machte Harres in der 87. Minute mit seinem zweiten Treffer alles klar. So blieb die Aufholjagd der Eintracht unbelohnt und die Löwen mussten trotz einer engagierten Leistung im zweiten Durchgang am 32. Spieltag ohne Punkte die Heimreise antreten.

Foto: Bundesliga/Getty Images/Oliver Hardt