Die Alm als Festung
Der DSC Arminia Bielefeld in der Vorschau
Flutlicht auf der Alm! Am Freitagabend um 18.30 Uhr gastiert die Eintracht am 10. Spieltag der 2. Bundesliga bei Arminia Bielefeld. Nach dem umjubelten Derbysieg gegen Hannover wollen die Löwen auch in Ostwestfalen nachlegen. Dort wartet allerdings ein Gegner, der vor eigenem Publikum in dieser Saison noch ungeschlagen ist und sich nach dem Wiederaufstieg im Tabellenmittelfeld festgesetzt hat. Alles Wissenswerte zum kommenden Gegner gibt es in unserer Vorschau.
Wissenswertes
- Festung Alm: Die Arminia zeigt sich vor heimischem Publikum seit Monaten in guter Verfassung. Nach der 0:1-Niederlage gegen Hannover am 28. Februar blieb die Mannschaft in saisonübergreifend neun Heimspielen ungeschlagen. Dabei stehen vier Siege und fünf Unentschieden zu Buche. In der laufenden Saison holte Bielefeld zu Hause bislang zwei Siege und zwei Remis.
- Mau vor den Kästen: Vorne sucht man wenig das Ziel, hinten verteidigt man dafür mit Mann und Maus. Immerhin gab in der 2. Bundesliga bisher nur der SV Darmstadt (98) weniger Abschlüsse auf das gegnerische Tor ab als der DSC (106), gleichzeitig ließen die Gastgeber aber dafür auch ligaweit die wenigsten Torschüsse des Gegners zu (105).
- Ruhende Bälle als Mittel zum Zweck: Standardsituationen sind eine große Stärke von Bielefeld. Fünf Treffer nach ruhenden Bällen bedeuten den drittbesten Wert der 2. Bundesliga. Insgesamt erzielte die Arminia 38 Prozent ihrer Tore nach Standards. Besonders gefährlich ist das Team bei Freistößen, aus denen die Ostwestfalen bereits dreimal erfolgreich waren, das ist sogar Ligabestwert.
Unter Beobachtung
- Joel Grodowski: Im Angriff der Ostwestfalen führt derzeit kaum ein Weg am 28-Jährigen vorbei. Grodowski war bereits in den vergangenen beiden Saisons ein wichtiger Bestandteil der Bielefelder Offensive und hat seine Treffsicherheit auch in diesem Jahr wieder unter Beweis gestellt. Mit fünf Toren in neun Ligapartien ist der Angreifer aktuell der erfolgreichste Torschütze der Arminia. Damit geht mehr als jeder dritte Bielefelder Treffer auf sein Konto. Der Mittelstürmer bringt neben seiner Abschlussstärke auch viel Tempo und Laufbereitschaft mit.
- Marius Wörl: Der 22-Jährige ist im zentralen Mittelfeld der Arminia zu Hause und übernimmt dort sowohl im Spielaufbau als auch gegen den Ball wichtige Aufgaben. Zwei eigene Treffer stehen für den Mittelfeldspieler nach neun Spieltagen zu Buche. Mit seiner Dynamik, seinen Vorstößen und seiner Präsenz in den Zweikämpfen ist er für die Ostwestfalen auf beiden Seiten des Balles wichtig.
- Jannik Rochelt: Dass der 28-Jährige auch als Einwechselspieler eine Partie entscheiden kann, bewies er erst vor zwei Wochen. Im Heimspiel gegen den VfL Osnabrück kam Rochelt nach knapp einer Stunde ins Spiel und köpfte die Arminia in der 85. Minute zum 2:1-Derbysieg. Für den Offensivspieler war es bereits der zweite Saisontreffer. Rochelt bringt viel Bewegung in das Angriffsspiel der Bielefelder, sucht immer wieder die Räume hinter der gegnerischen Abwehr und kann sowohl auf dem Flügel als auch in zentraleren Positionen eingesetzt werden. Nun steht er vor seinem 100. Zweitligaspiel.
Die Lage
Die Arminia hat sich nach dem Klassenerhalt in der vergangenen Saison und der Trennung von Erfolgscoach Mitch Kniat im Mittelfeld der Zweitligatabelle festgesetzt. Mit elf Punkten aus den ersten neun Begegnungen ist der Mannschaft von Cheftrainer Oliver Kirch ein ordentlicher Start gelungen. Drei Siege, zwei Unentschieden und vier Niederlagen bedeuten vor dem 10. Spieltag Tabellenplatz neun. Besonders vor eigenem Publikum präsentierte sich der DSC bislang stabil und blieb in allen vier Heimspielen ungeschlagen. Allerdings verliefen die ersten Wochen nach dem Start in die 23. Zweitligaspielzeit der Vereinsgeschichte nicht immer reibungslos. Nach einem wechselhaften Saisonbeginn und zwischenzeitlich vier Ligaspielen ohne Sieg fand die Arminia zuletzt wieder besser in die Spur. Beim VfL Bochum gelang durch einen knappen 1:0-Erfolg der zweite Saisonsieg. Eine Woche später folgte vor ausverkaufter Alm ein emotionaler Erfolg im Nachbarschaftsduell mit dem VfL Osnabrück. Nach einem frühen Rückstand brachte Maximilian Bauer die Gastgeber zunächst per Kopf zurück ins Spiel, ehe Joker Jannik Rochelt kurz vor Schluss den umjubelten 2:1-Siegtreffer erzielte. Zwei Siege in Folge verschafften den Ostwestfalen nicht nur wichtige Punkte, sondern auch neues Selbstvertrauen.
Am vergangenen Wochenende musste die Mannschaft allerdings einen bitteren Rückschlag hinnehmen. Beim bislang ungeschlagenen Tabellenführer Hertha BSC zeigte Bielefeld über weite Strecken eine disziplinierte Defensivleistung und hielt die Berliner Offensive lange in Schach. Besonders Torhüter Jonas Kersken konnte sich mehrfach auszeichnen. Erst tief in der Nachspielzeit fiel die Entscheidung. Nach einem Handspiel im Strafraum verwandelte Josip Brekalo den fälligen Elfmeter zum 1:0-Endstand. Die Arminia stand damit trotz einer engagierten Vorstellung ohne Punkte da. Kirch zeigte sich anschließend vor allem mit der Defensivarbeit seiner Mannschaft zufrieden, bemängelte jedoch die fehlenden Entlastungsmomente im Umschaltspiel. Nun kehren die Bielefelder auf die heimische Alm zurück, wo sie in dieser Saison bislang acht ihrer elf Punkte gesammelt haben. Dort soll die knappe Niederlage in Berlin möglichst schnell vergessen gemacht werden. Mit der Eintracht wartet allerdings ein Gegner, der nach dem 2:0-Erfolg im Niedersachsenderby mit ordentlich Rückenwind anreist. Beide Mannschaften trennen in der Tabelle lediglich ein Punkt und ein Tabellenplatz.
Die letzte Begegnung
Im bislang letzten Duell mit Arminia Bielefeld musste die Eintracht im Februar dieses Jahres trotz einer zwischenzeitlichen Führung eine 2:3-Niederlage hinnehmen. Die Löwen erwischten einen denkbar schlechten Start und lagen bereits nach 30 Sekunden zurück, als Robert Uldrikis mit einem Distanzschuss traf (1'). Die Antwort der Braunschweiger ließ jedoch nicht lange auf sich warten: Nach einer Flanke von Johan Gómez köpfte Sidi Sané zum Ausgleich ein (8'). In einer temporeichen ersten Hälfte drehten die Gäste die Partie schließlich durch einen sehenswerten Distanzschuss von Lukas Frenkert, der den Ball aus dem Zentrum in den rechten Winkel setzte und mit diesem Treffer im Nachgang sogar von der ARD Sportschau für das “Tor des Monats” nominiert wurde (24'). Doch Bielefeld schlug zurück und stellte durch Marius Wörl noch vor der Pause auf 2:2 (31'). Auch nach dem Seitenwechsel kamen die Gastgeber besser ins Spiel und gingen nach einem Eckball durch den Kopfball von Uldrikis erneut in Führung (54'). Die Eintracht versuchte anschließend, mit offensiven Wechseln noch einmal Druck aufzubauen, fand gegen die kompakte Defensive der Arminia aber nur selten entscheidende Lücken. Ein Kopfball von Erencan Yardimci sowie ein weiterer Distanzversuch von Frenkert brachten nicht den erhofften Ausgleich. So blieb die Aufholjagd der Löwen unbelohnt und die Eintracht musste sich nach einer wechselhaften Partie trotz zweier sehenswerter Treffer mit 2:3 geschlagen geben.
Foto: Bundesliga/Getty Images/Reinaldo Coddou H.