125 Jahre Eintracht Braunschweig

Wolfram Benz: „Sind nochmal auf Solidarität angewiesen“

Eintracht steht aufgrund von Corona vor wirtschaftlich großen Herausforderungen

In vier Wochen starten die Löwen mit dem DFB-Pokalspiel gegen Hertha BSC in die Saison 2020/2021. Aufgrund der Corona-Pandemie wird es eine Spielzeit voller Herausforderungen. Eintracht-Geschäftsführer Wolfram Benz spricht im Interview mit eintracht.com über diese besondere Zeit, die wirtschaftliche Situation, die Bedeutung der Fans und Partner sowie die neue Spielzeit.

In fünf Wochen startet die 2. Bundesliga. Die Löwen sind zum Auftakt auswärts beim 1. FC Heidenheim zu Gast, eine Woche vorher wartet bereits Hertha BSC im DFB-Pokal. Spürst du schon die Vorfreunde?

Wolfamz Benz: „Ich blicke dem Start mit gemischten Gefühlen entgegen. Auf der einen Seite ist die Vorfreude natürlich groß, endlich sind wir zurück in der 2. Bundesliga und können uns auf namenhafte Gegner wie St. Pauli, den HSV oder auch auf das Derby freuen. Auf der anderen Seite werden zumindest zum Saisonstart die Ränge weiterhin nur sehr spärlich gefüllt oder im schlimmsten Fall ganz leer bleiben. Das trübt die Vorfreude natürlich sehr. Wie gerne hätten wir unser erstes Zweiliga-Heimspiel in einem vollen Stadion mit unseren Fans erlebt.“

Du sprichst es an. Wir erleben alle eine besondere Zeit, in der viele Dinge nicht oder nur schwer planbar sind. Gibt es bei der Eintracht schon einen Plan, wann wieder Zuschauer dabei sein dürfen und wie die Plätze verteilt werden?

Benz: „Es ist in der Tat sehr schwierig, weil natürlich viel von der Entwicklung des Infektionsgeschehens abhängt und es einfach keine Planungssicherheit gibt. Wir brennen natürlich darauf, dass bald zumindest ein Teil unserer Fans wieder im Stadion dabei sein kann. Trotzdem sind wir uns der gesellschaftlichen Verantwortung des Fußballs natürlich sehr bewusst. Es kann nur stufenweise und verantwortungsbewusste Rückkehr der Fans in unsere Stadien geben. Wir arbeiten intensiv an entsprechenden Konzepten und befinden uns dazu im Austausch mit der DFL, dem Stadionbetreiber und den örtlichen Gesundheitsbehörden. Konkret können wir zum Vergabemodus leider noch nichts sagen, da wir auch noch keine belastbaren Zahlen haben.“

Während der Corona-Pandemie sind die Eintracht-Fans noch einmal enger zusammen gerückt. Wie stolz bist Du auf die Eintracht-Familie?

Benz: „Zusammenhalt und Solidarität, das ist die Eintracht-Familie. Insbesondere in schweren Zeiten. Das hat unsere Fangemeinschaft – genauso wie unsere Partner und Sponsoren – zuletzt einmal mehr eindrucksvoll bewiesen, indem knapp 90 Prozent auf die Rückerstattung ihrer Dauerkarten und Leistungen verzichtet haben. Neben der Kurzarbeit der gesamten Profi-Mannschaft sowie aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiten haben sie damit entscheidend dazu beigetragen, dass wir die Saison 2019/2020 finanziell überstehen konnten. Das macht uns extrem stolz. Mittlerweile sind wir wieder zurück in der 2. Liga und stehen erneut vor großen Herausforderungen – vielleicht den größten in unserer 125-jährigen Vereinsgeschichte.“

Welche Herausforderungen sind das genau?

Benz: „Zum einen sportlich, denn wir wollen unter allen Umständen die Klasse halten, um den Kraftakt der vergangenen Saison zu veredeln. Nur dann haben wir wirklich etwas gewonnen. Zum anderen in wirtschaftlicher Hinsicht. Abgesehen davon, dass es an und für sich schon schlimm genug ist, dass unsere Fans nach aktuellem Stand zum Start in die Spielzeit noch nicht oder nur in begrenzter Anzahl bei den Spielen dabei sein können, fehlt uns bereits in der Hinrunde 2020/2021 durch verringerte TV-Gelder, Catering-, Zuschauer- und Hospitality-Einnahmen ein siebenstelliger Betrag, auf den wir für eine nachhaltig erfolgreiche Zukunft dringend angewiesen sind.“

Durch den Aufstieg in die 2. Liga konnte die Verluste nicht kompensiert werden?

Benz: „Nein, leider nicht. Wenn wir weiterhin in der 3. Liga spielen würden, wäre die Herausforderung noch ungleich größer. Wir sind von den Einnahmen her weit davon entfernt, der Zweitligist zu sein, der wir vor dem Abstieg 2018 waren – die Folgen der Corona-Pandemie noch gar nicht mit eingerechnet. Nur mal ein Beispiel: In der Saison 2017/2018 hatten wir Einnahmen aus den TV-Geldern in Höhe von 14,6 aktuell sind es 9 Millionen Euro. Hinzu kommen die bereits angesprochenen Verluste durch fehlende Einnahmen rund um die Spieltage in Millionenhöhe.“

Wie sollen diese Verluste aufgefangen werden?

Benz: „Leider wird es auch im nächsten Jahr ohne die Solidarität unserer Fans und Partner nicht gehen. Uns ist bewusst, dass viele von ihnen ebenfalls zum Teil sogar erheblich von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen sind. Aus diesem Grund haben wir ein Dauerkarten-Doppelmodell mit Soli- und Flexi- Dauerkarte entwickelt, von dem wir hoffen, dass es trotz der besonderen Umstände zahlreich angenommen wird und den Bedürfnissen unserer Fans Rechnung trägt. Wir danken jedem Fan, der die Eintracht in diesen schweren Zeiten mit dem Kauf einer Dauerkarte unterstützt. Ebenso natürlich auch unseren Partnern und Sponsoren, die sich weiterhin bei uns engagieren. Natürlich hoffen wir darauf, dass sich möglichst viele Fans für den Kauf einer Soli-Dauerkarte entscheiden, da diese uns wirtschaftlich eine deutlich größere Planungssicherheit gibt. Daher haben für alle Erwerber der für uns besonders wichtigen Soli-Dauerkarte noch einige Highlights beigefügt. Wir haben aber auch Verständnis für alle, die, aus welchen Gründen auch immer, keine Dauerkarte oder ein Sponsorenpaket für die kommende Saison kaufen können oder wollen.“

Was bedeuten diese wirtschaftlichen Herausforderungen für den sportlichen Bereich?

Benz: „Unser oberstes Ziel ist es, in der 2. Bundesliga zu bleiben. Das geht nur mit einer Mannschaft, die die Qualität dafür hat. Daher müssen wir in den Kader investieren, was wir in den vergangenen Wochen auch schon gemacht haben. Peter Vollmann und Daniel Meyer haben einen klaren Plan und einen Rahmen, in dem sie sich bewegen können. Es ist von elementarer Bedeutung für die Eintracht, dass wir in der 2. Liga bleiben!“

Abschließend: Möchtest Du den Eintracht-Fans noch etwas mit auf den Weg geben?

Benz: „Liebe Eintracht-Fans, wenn Ihr uns mit dem Kauf von Dauerkarten, Partner- und Sponsoringpaketen weiterhin so unterstützt wie bisher, können wir voller Vertrauen und Zuversicht in die Zukunft blicken. Im Namen des sportlichen Bereiches und aller anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verspreche ich jedem einzelnen von Euch, dass wir alles in unserer Macht stehende tun werden, um den Klassenerhalt zu schaffen. Eintracht Braunschweig ist das emotionale Herz der Region und wir werden extrem hart dafür arbeiten, dass Ihr stolz auf unsere Eintracht sein könnt.“