Die Störche mit Aufwind

Holstein Kiel in der Vorschau

Aus dem Keller gekämpft! Seit seiner Rückkehr als Trainer am 24. Spieltag brauchte Tim Walter zunächst Anlauf, holte in den ersten drei Spielen nur einen Punkt mit Holstein Kiel. Danach lief es deutlich besser: In den vergangenen fünf Partien sammelte Kiel 13 Punkte und gehört damit (wie nur Schalke) zu den punktstärksten Teams in diesem Zeitraum. Der Klassenerhalt liegt nach einer schwierigen Saison nun wieder komplett in der eigenen Hand. Ein Blick auf den Gegner der Löwen.

Wissenswertes

  • Laufwunder von der Förde: Kiel zählt zu den laufstärksten Teams der Liga. Nur zwei Mannschaften laufen im Schnitt mehr Kilometer (im Durchschnitt 121.6 Kilometer pro Partie) und absolvieren mehr Sprints (im Durchschnitt 165 Sprints pro Partie). Bei den intensiven Läufen liegt nur Bielefeld vor den Störchen (im Durchschnitt 720 intensive Läufe pro Partie).
  • Im “hohen” Norden: Nur zwei Teams haben ligaweit mehr Kopfballtore erzielt als Kiel, das selbst schon zehn Treffer per Kopf geschafft hat. Diese Stärke zeigt sich auch defensiv: Die Störche ließen nur vier Gegentore nach einer Flanke aus dem Spiel zu - Bestwert.
  • Kernig, Kerniger, Holstein gegen Eintracht: Schon im Hinspiel musste auf beiden Seiten jeweils ein Spieler vom Platz. Auch diesmal ist ein intensives Duell zu erwarten: Kiel begeht ligaweit die meisten Fouls und hat bereits fünf Platzverweise kassiert (alle durch Gelb-Rot). Noch häufiger in Unterzahl geriet nur die Eintracht mit insgesamt acht Platzverweisen, darunter sechs direkte Rote Karten.

Unter Beobachtung

  • Timon Weiner: Seit seinem Comeback zwischen den Pfosten zeigt Schlussmann Weiner eine sehr starke Leistung. Er hält rund 72 Prozent der Schüsse auf sein Tor und hat in acht Spielen nur neun Gegentore kassiert. Besonders zuletzt war er kaum zu überwinden - in den vergangenen vier Spielen ließ Kiel insgesamt nur ein Gegentor zu.
  • David Zec: Über ihn geht im Spielaufbau ganz viel. Sechs Tore hat der Slowene schon erzielt, darüber hinaus hat er bisher am meisten Kilometer zurückgelegt und spielt auch die meisten Pässe beim KSV. Und diese sogar sehr genau, denn seine Passquote liegt bei stolzen 91 Prozent.
  • Phil Harres: Der Top-Scorer der Walter-Elf steht natürlich im Sturm. Sieben Buden, drei Vorlagen kann der 24-Jährige bis dato verbuchen. Er ist ein klassischer Boxstürmer: Harres gab bisher 55 Torschüsse ab, 43 davon im gegnerischen Strafraum und zwölf per Kopf.

Die Lage

Holstein Kiel geht mit ordentlich Rückenwind, aber auch klaren inhaltlichen Baustellen in das Duell mit den Löwen. Der 1:0-Auswärtssieg bei Hertha BSC am vergangenen Spieltag war ein klassischer „dreckiger Sieg“, der vor allem durch Effizienz, Leidensfähigkeit und eine starke Defensive zustande kam, weniger durch spielerische Dominanz. Besonders im ersten Durchgang im Olympiastadion tat sich die Mannschaft von Trainer Tim Walter schwer mit Ballbesitz und fand kaum spielerische Lösungen. Erst nach der Pause und einer deutlichen Ansprache des Trainers – im internen Kreis wurde von einer „Pausen-Predigt“ gesprochen – steigerte sich das Team spürbar in Intensität und Konsequenz. Am Ende reichte ein einziger Treffer von Jonas Therkelsen nach 63 Minuten, um drei Punkte mitzunehmen. Die Berliner ließen zudem beste Chancen ungenutzt, während Kiel vor allem kämpferisch überzeugte. Formtechnisch zeigt der Trend weiter klar nach oben: Aus den vergangenen fünf Spielen holten die Störche 13 Punkte und haben damit einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt gemacht. Genau diesen soll das Heimspiel gegen die Blau-Gelben nun endgültig absichern. Personell muss Kiel jedoch umbauen: Mit Ivan Nekic und Umut Tohumcu fehlen zwei gelbgesperrte Stammkräfte. Gleichzeitig könnte mit Alexander Bernhardsson ein wichtiger Offensivspieler nach Verletzungspause zurückkehren. Vor dem Aufeinandertreffen bleibt das Bild klar: Kiel ist schwer zu schlagen, aber nicht konstant dominant. Genau diese Mischung aus Stabilität, Kampf und gelegentlichen spielerischen Defiziten macht die Störche derzeit zu einem unangenehmen Gegner und zu einem Team, das den Klassenerhalt mit einem Sieg aus eigener Kraft perfekt machen will.

Letzte Begegnung

Am 15. Spieltag der Hinrunde trennte sich die Eintracht im Heimspiel vom Holstein Kiel mit 1:1 – ein intensives und umkämpftes Duell, in dem für die Löwen durchaus mehr drin war. Beide Teams starteten ausgeglichen in die Partie, ehe die Blau-Gelben die erste klare Duftmarke setzten: Nach einem Handspiel im Strafraum verwandelte Memo Aydin den fälligen Elfmeter souverän zur 1:0-Führung (24'). In der Folge traten die Blau-Gelben selbstbewusst auf und suchten den zweiten Treffer. Kurz vor der Pause dann ein Knackpunkt: Lukas Frenkert sah nach einem Foulspiel die Rote Karte – eine harte und durchaus diskutable Entscheidung. In Unterzahl verteidigte die Eintracht leidenschaftlich, musste jedoch tief in der Nachspielzeit den Ausgleich hinnehmen (45'+6). Nach dem Seitenwechsel waren beide Teams wieder zu zehnt, da Kiels Lasse Rosenboom mit gelb-rot vom Platz gestellt wurde, und die Löwen übernahmen zunehmend die Kontrolle. Mit viel Einsatz und Offensivdrang erspielte sich die Eintracht zahlreiche Chancen. Allen voran Christian Conteh, der mehrfach am stark reagierenden Kieler Schlussmann scheiterte. Auch Robin Heußer kam in der Schlussphase noch zu einer großen Möglichkeit. Am Ende fehlte trotz klarer Überlegenheit im zweiten Durchgang die letzte Konsequenz im Abschluss, sodass es beim 1:1 blieb. Ein Punkt, der sich angesichts der Spielanteile eher wie zu wenig anfühlte, auf dessen Leistung sich jedoch aufbauen ließ.

Foto: DFL/Getty Images/Oliver Hardt