Ein anderer Wind im Frankenland
Die SpVgg Greuther Fürth in der Vorschau
Nach dem 1. FC Magdeburg wartet auf die Eintracht direkt der nächste Konkurrent aus dem Tabellenkeller: die SpVgg Greuther Fürth. Beim Kleeblatt aus dem Frankenland hat seit Anfang Dezember Chefcoach Heiko Vogel die Zügel in der Hand und der steht nach dem Abrutschen seiner Mannschaft auf den letzten Tabellenplatz nun vor seinem erst zweiten Heimspiel im Sportpark Ronhof. Das Ruder soll nun gegen die Löwen herumgerissen und die lange Sieglos-Serie seit Anfang November endlich durchbrochen werden.
Wissenswertes
- Standards fallen raus: Gemeinsam mit der Eintracht und vier weiteren Teams erzielte die Elf von Coach Heiko Vogel die wenigsten Tore nach ruhenden Bällen (vier). Übrigens greifen die Fürther besonders gerne über die linke Seite an. Gleich 39 Prozent aller Eintritte in die gegnerische Hälfte fanden über diese Seite statt.
- Wenn, dann drin: Im Verhältnis zu den 21,69 erwartbaren Toren auf Basis der xGoals hat Fürth seine Chancen überdurchschnittlich gut genutzt und kommt auf 26 Treffer. Besonders gefährlich zeigt sich das Team im Umschaltspiel: Lediglich der 1. FC Kaiserslautern war mit sechs Kontertoren noch erfolgreicher. Mit den bis dato wenigsten Torschüssen brauchte das Kleeblatt nur acht Abschlüsse pro Tor, das ist der geteilte beste Wert aller Zweitligisten.
- Wenig auf dem Laufband: In der 2. Bundesliga verzeichnete keine Mannschaft weniger gelaufene Kilometer als die Fürther. Hinzu kommen auch die wenigsten Tempoläufe und die wenigsten Sprints (im Durchschnitt 127 Sprints pro Partie).
Unter Beobachtung
- Felix Klaus: 13 Torbeteiligungen (sieben Treffer, sechs Vorlagen) sprechen eine deutliche Sprache. Nur Darmstadts Stürmer Isac Lidberg verzeichnet in der aktuellen Spielzeit ligaweit mehr Scorer als der Routinier vom Kleeblatt. Sein Ausfall zum Jahresauftakt machte sich in Dresden bemerkbar. Der ungebrochene Tordrang des 33-Jährigen macht ihn zum gefährlichsten Angreifer der Gastgeber, er hat die fünftmeisten Torschüsse aller Zweitligaspieler abgegeben.
- Noel Futkeu: Was die Wucht in der Offensive betrifft, steht der Stürmer seinem Teamkollegen Klaus in wenig nach. Mit neun Treffern ist er momentan der Top-Torschütze der Vogel-Elf. Seine Dynamik und seine Physis machen ihn vor dem Tor zur Waffe. Im Hinspiel bei der 2:3-Niederlage der Fürther an der Hamburger Straße bereitete er eine Bude vor, in der Rückrunde der vergangenen Saison traf er bereits gegen die Eintracht.
- Branimir Hrgota: Der Kapitän des Kleeblatts ist auch in seiner siebten Saison am Ronhof nicht wegzudenken. Keiner geht bei den Hausherren in mehr Dribblings, keiner führt mehr Zweikämpfe und keiner spielt unter Druck mehr erfolgreiche Pässe bei den Franken als er.
Die Lage
Seit dem vergangenen Spieltag ist die Spielvereinigung aus Fürth der Tabellenletzte der 2. Bundesliga. Die 0:2-Niederlage gegen beim vorherigen Schlusslicht Dynamo Dresden ließ das Kleeblatt abrutschen. Die Stimmung war nach der Partie im Rudolf-Harbig-Stadion dementsprechend nicht nur aufgrund der Witterungsverhältnisse eisig. “Ich bin sehr wütend, ich muss etwas aufpassen in der Wortwahl”, ließ Cheftrainer Heiko Vogel die Pressevertreter beim Interview wissen, “Wir haben nicht das bewegt, was man bewegen muss, um einen Rückstand auszugleichen. Das war in den ersten Spielen anders und das dulde ich nicht.” Der 50-jährige Fußballlehrer ließ für die Vorbereitung auf das Duell mit der Eintracht am kommenden Samstag eine Sache klarstellen: “Wir werden die Zügel anziehen, es wird ein anderer Wind wehen, als es bisher der Fall war. Ich glaube, dass das notwendig ist.” Seit September des vergangenen Jahres steht bei den Franken nur ein Sieg zur Buche. Ein 1:0-Heimerfolg gegen Preußen Münster aus dem November markiert das bislang letzte Erfolgserlebnis. Die Fürther wechselten im Dezember dann den Hauptübungsleiter, für den aus dem Amt ausgeschiedenen Thomas Kleine übernahm Vogel. Doch der Coach, der einst 2012 mit dem FC Basel Schweizer Meister wurde, wartet seit seiner Übernahme auf einen Sieg. Der im Winter verpflichtete Doni Arifi aus der ersten finnischen Liga und der frisch vom FC Augsburg geliehene Aiman Dardari nahmen gegen Dresden noch auf der Bank Platz. Gegen die Eintracht soll nun auch mit den beiden neuen Kräften der Turnaround erfolgen und bestenfalls Dynamo wieder auf Tabellenplatz 18 verdrängt werden.
Letzte Begegnung
Das Hinspiel am 2. Spieltag der laufenden Saison bot aus Sicht der Löwen alles, was ein packendes Duell ausmacht. Nach einer emotionalen Verabschiedung von Ex-Kapitän Jannis Nikolaou vor dem Spiel, entwickelte sich von Beginn an eine intensive Partie, in der beide Mannschaften mit hoher Einsatzbereitschaft agierten. Der frühe Rückstand Mitte der ersten Halbzeit brachte die Eintracht dabei nicht aus dem Tritt. Die Blau-Gelben blieben mutig, übernahmen zunehmend die Spielkontrolle und belohnten sich noch vor der Pause. Zunächst traf Lukas Frenkert nach einer starken Hereingabe zum verdienten Ausgleich, ehe Erencan Yardimci nur wenige Minuten später eine sehenswerte Kombination zur Führung vollendete. Auch nach dem Seitenwechsel zeigte die Mannschaft von Heiner Backhaus eine konzentrierte und disziplinierte Leistung. Die Löwen verteidigten geschlossen, setzten immer wieder Nadelstiche nach vorne und hielten die Begegnung lange unter Kontrolle. In der Schlussphase mussten sie zwar den Ausgleich hinnehmen, doch die Eintracht bewies Moral und Entschlossenheit. In der Nachspielzeit behielt Sebastian Polter vom Punkt die Nerven und sorgte für den umjubelten Siegtreffer. Ein intensives, hart umkämpftes Hinspiel, das Lust auf das nun anstehende Wiedersehen in der Rückrunde macht.
Foto: DFL/Getty Images/Sascha Widmann