"Ich wollte meine Komfortzone verlassen"

Schlussmann Elhan Kastrati im Interview

Nach der Verletzung von Thorben Hoffmann hütet er mittlerweile den Kasten der Löwen: Elhan Kastrati. Der Sommerneuzugang der Eintracht lebte seit 2014 in Italien und entschied sich nach elf Jahren, die gewohnte Umgebung zu verlassen und den Schritt nach Deutschland zu wagen. Im Interview spricht der 29-Jährige darüber, was ihn zu diesem besonderen Schritt bewogen hat, über seine Anfänge in Blau-Gelb und seine enge Beziehung zu seiner Familie.

Hallo Elhan, du bist jetzt seit ein paar Monaten in Braunschweig. Wie hast du deine ersten Monate bei der Eintracht und in der Stadt Braunschweig erlebt?

Elhan Kastrati: “Ich bin im August in Braunschweig angekommen und habe sofort zahlreiche positive Eindrücke bekommen – sowohl in der Mannschaft als auch in der Stadt. Leider musste ich zunächst eine Verletzung überwinden, die mich fast einen Monat lang außer Gefecht gesetzt und meine Integration ins Team verzögert hat. Danach wurde jedoch für mich alles einfacher.”

Du hast viele Jahre in Italien gespielt. Warum hast du dich entschieden, diesen Schritt ins Ausland zu wagen und zu Eintracht Braunschweig zu wechseln? Bist du ein abenteuerlustiger Typ?

Kastrati: “Mit 16 bin ich allein nach Italien gegangen und habe mein Land und meine ganze Familie nur für den Fußball verlassen. Italien ist heute mein zweites Zuhause, aber die Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, entstand aus meinem Wunsch heraus, neue Herausforderungen anzunehmen und meine Komfortzone zu verlassen. Ich glaube, dass ich so sowohl beruflich als auch persönlich immer weiter wachsen kann. Als ich dann vom Interesse von Eintracht hörte und sah, wie sehr sie mich verpflichten wollten, habe ich diese neue Herausforderung sehr gerne angenommen.”

Wie sieht dein Leben hier abseits des Platzes aus? Hast du dich in Braunschweig gut eingelebt? Und wie oft kannst du deine Familie sehen, die nicht mit dir nach Braunschweig gezogen ist?

Kastrati: “Ich führe ein ruhiges Leben. Im Oktober bin ich Vater einer kleinen Tochter geworden. Sie ist das Beste, was ich habe. Ich gehe viel mit meinem Hund spazieren, versuche, Deutsch zu lernen und mein Englisch zu verbessern. Außerdem koche ich sehr gerne, und an freien Tagen erkunde ich mit meiner Partnerin gern neue Orte. Meine Partnerin und meine Tochter sind im Dezember nach Deutschland gezogen, und sie hier bei mir zu haben, ist natürlich eine sehr große Unterstützung. Ich komme aus einer sehr großen Familie und habe zu allen ein enges Verhältnis, deshalb habe ich die Feiertage zum Jahresende mit ihnen in Albanien verbracht. Zum Glück habe ich auch einen Bruder in Stuttgart, den ich oft besuche.”

Du hattest eine lange Zeit ohne Spielpraxis: Zwischen deinem letzten Pflichtspiel in Italien und deinem ersten Einsatz für die Löwen lagen fast neun Monate. Wie hat es sich angefühlt, endlich wieder auf dem Platz zu stehen?

Kastrati: “In den vergangenen sechs Jahren habe ich durchschnittlich 30 Partien pro Saison bestritten, und so lange nicht zu spielen, war für mich nicht einfach. Für mich war es entscheidend, wieder auf dem Platz zu stehen, und ich bin sehr glücklich, die blau-gelben Farben verteidigen und zum Teamerfolg beitragen zu können. Was die beiden Spiele angeht, die ich gespielt habe, bin ich persönlich nicht zufrieden. Ich denke, wir hätten mehr Punkte verdient. Persönlich war das erste Spiel gegen Preußen Münster etwas schwierig, weil es nicht leicht ist, vor allem als Torwart, nach so langer Zeit ohne Spielpraxis wieder Einsatzzeit zu bekommen. Im zweiten Spiel habe ich mich aber schon deutlich besser gefühlt.”

Ist dir beim Vergleich zwischen der Serie B und der 2. Bundesliga etwas besonders aufgefallen? Auch im Hinblick auf das Training?

Kastrati: “Das Erste, was mir aufgefallen ist, sind die großartigen Fans, die alle Stadien füllen und überall eine unglaubliche Atmosphäre schaffen. Außerdem machen die neuen Stadien einen Unterschied. Auch die Organisation insgesamt ist meiner Meinung nach besser als in Italien. Was das Niveau angeht, denke ich, dass es gleich ist, auch wenn es sicherlich zwei unterschiedliche Spielweisen sind.”

Du hast auch Erfahrung in der albanischen Nationalmannschaft gesammelt. Was bedeutet es dir, dein Land zu vertreten? Und wie besonders sind diese Reisen für dich?

Kastrati: “Sein Land zu vertreten ist, denke ich, der höchste persönliche Stolz. Es ist der Traum jedes Kindes, das anfängt, Fußball zu spielen. Ich hatte auch das Glück, hier in Deutschland bei der Europameisterschaft zu spielen. Das war bisher der schönste Moment meiner Karriere. In den vergangenen Spielen wurde ich nicht nominiert, weil ich lange nicht aktiv war, aber ich kann es kaum erwarten, zurückzukehren.”

Zum Schluss noch eine Frage, um dich etwas besser kennenzulernen: Was würdest du sagen, wenn dich jemand fragt, wie Elhans Persönlichkeit ist?

Kastrati: “Elhan ist ein introvertierter, fröhlicher und ehrgeiziger Junge, der sehr an seiner Familie, seiner Kultur und seinen Wurzeln hängt.”

Vielen Dank für deine Zeit, Eli!

Foto: Kai Falk