Raus aus dem Keller
Der 1. FC Magdeburg in der Vorschau
Raus aus dem Tabellenkeller lautet die Mission in der blau-weißen Festungsstadt. Sieben Niederlagen aus den ersten acht Spielen, zehnmal Tabellenletzter in der Hinrunde und nach dem 13. Spieltag sechs Punkte Rückstand auf das rettende Ufer zeichneten im Herbst noch ein düsteres Bild beim Klub von der Elbe. Doch kurz vor Weihnachten der Turnaround: In den vergangenen vier Partien sammelte der FCM mehr Zähler als zuvor in 13 Spielen zusammen und sprang damit erstmals über den Strich. Mit dem Trainerduo an der Spitze soll dieser Trend nun auch im neuen Kalenderjahr fortgesetzt werden.
Wissenswertes
- Knoten geplatzt: Trotz einer ligaweiten Bestmarke bei den abgegebenen Abschlüssen wollte der Ball beim FCM lange Zeit einfach nicht ins Netz. Über weite Strecken der Hinrunde stellte das Team die harmloseste Angriffsreihe, auch wenn der Aufwand sehr hoch war. Erst kurz vor der Winterpause wendete sich das Blatt: In den vergangenen vier Partien erzielte der FCM elf Treffer. Zuvor hatten die Elbestädter an 13 Spieltagen lediglich zehn Tore zustande gebracht und blieben dabei gleich achtmal ohne eigenen Torerfolg.
- Dreierkette zurück?: In der starken Phase zum Jahresende 2025 wich der 1. FC Magdeburg von seinem gewohnten 3-4-3 ab und agierte stattdessen mit einer Viererkette im 4-3-3. Ausschlaggebend dafür waren personelle Engpässe in der Abwehr, denn mit Jean Hugonet und Daniel Heber fehlten gleich zwei tragende Säulen der Dreierkette. Inzwischen stehen beide wieder zur Verfügung, sodass die aus der Vorsaison bekannte Defensivreihe mit Hugonet, Mathisen und Heber erstmals wieder dauerhaft zusammen auflaufen könnte.
- Dominant unterwegs: Einzig Hannover hatte in der laufenden Saison mehr Spielanteile als Magdeburg (56 Prozent Ballbesitz). Die Blau-Weißen spielen zudem die viertmeisten Pässe aller Zweitligisten, von denen 83 Prozent erfolgreich beim Ziel ankommen. Darüber hinaus gewinnt der FCM über 52 Prozent seiner Luftzweikämpfe und probierte es mit 105 Versuchen in der 2. Bundesliga am häufigsten mit Abschlüssen aus der Distanz.
Unter Beobachtung
- Baris Atik: Wer an den FCM denkt und sich die Mannschaft anschaut, kommt an dem mittlerweile 31-Jährigen nicht vorbei. Zwar zeigte sich Atik auch schon mal torgefährlich (bisher erst zwei eigene Treffer), aber zusammen mit seinen fünf Vorlagen ist er abermals Top-Scorer seines Teams. Seit fünf Jahren prägt er das Offensivspiel seines FCM, seine emotionale Art kann dabei auch schon mal polarisieren. Atik ist aus der Startelf nicht wegzudenken.
- Mateusz Zukowski: Die Statistik des Sommerneuzugangs liest sich herausragend: Nach einer Fußoperation erst zum Hinrundenende fit, knipste der polnische Angreifer in fünf Zweitligaduellen vier Mal. Hält Zukowski diese Quote, dürfte die 2. Bundesliga nur ein Zwischenschritt sein. Kein Wunder also, dass das Cheftrainer-Duo auf Zukowskis Abschlussqualitäten baut.
- Laurin Ulrich: Der Mittelfeldmann brauchte keine Anlaufzeit, um in Liga zwei anzukommen. Ulrich spielte in der vergangenen Saison noch Drittklassig, doch das hinderte den 20-Jährigen nicht, gleich in allen 17 Hinrundenpartien auf dem Feld zu stehen. Auch drei Einsätze im DFB-Pokal kann er vorweisen. Ulrich ist einer der Gewinner der Hinrunde, auch wenn ihm ein eigener Treffer in der Vita noch fehlt.
Die Lage
Der 1. FC Magdeburg erlebte nach dem Abschied von Erfolgstrainer Christian Titz eine schwierige Hinrunde. Unter dem neuen Trainer Markus Fiedler sollte die spielerische Ausrichtung mit viel Ballbesitz fortgesetzt werden, doch der erhoffte Erfolg blieb aus. Nach einer Auftaktniederlage gegen die Löwen und einem Auswärtssieg in Dresden folgten zum Saisonstart mehrere Pleiten, darunter sechs Ligaspiele in Serie sowie eine hohe Testspielniederlage im Duell mit der Backhaus-Elf. In der Folge trennte sich der Verein von Fiedler. Die Verantwortung übernahm anschließend ein internes Trainerduo: Petrik Sander und Pascal Ibold aus der U23. Ihnen gelang es, die Mannschaft zu stabilisieren. Aus neun Spielen holte der FCM vier Siege, besonders zum Jahresende punktete das Team stark und überwinterte schließlich auf Platz 15, knapp über den Abstiegsrängen. Zur Vorbereitung auf die Rückrunde absolvierte Magdeburg ein Trainingslager in der Türkei. Dort gewann die Mannschaft beide Testspiele gegen Winterthur und Ulm. Auf dem Transfermarkt blieb es ruhig, einzig Abu-Bekir El-Zein wechselte nach Ulm, spielte zuvor aber keine bedeutende Rolle.
Letzte Begegnung
Beim vergangenen Aufeinandertreffen zum Saisonauftakt der aktuellen Spielzeit starteten sowohl die Löwen als auch der 1. FC Magdeburg unter neuen Cheftrainern. Es war im Vorfeld ein Duell voller Ungewissheiten. Heiner Backhaus setzte bei der Eintracht auf maximale Intensität und Leidenschaft, während die Gäste unter Markus Fiedler weiterhin ein ballbesitzorientiertes Spiel bevorzugten. Backhaus brachte in seinem Debütspiel gleich sechs Neuzugänge in die Startelf. Auf dem Platz dominierten zunächst die Gastgeber im Ballbesitz und hatten einige gute Chancen auf dem Fuß, doch das Aluminium und Keeper Thorben Hoffmann retteten die Eintracht mehrfach. In der zweiten Hälfte geriet Blau-Gelb durch eine Rote Karte für Kevin Ehlers nach Foulspiel an der Mittellinie früh in Unterzahl, doch die Mannschaft kompensierte diesen mit enormem Einsatz und Kompaktheit im Defensivverbund. Letztlich war es dann auch die Eintracht, die sich für einen leidenschaftlichen Auftritt mit drei Punkten belohnte. Das Tor des Tages erzielte Neuzugang Mehmet Can Aydin in der 82. Minute mit einem sehenswerten Schuss aus rund 30 Metern ins rechte Eck. Erstmals seit sechs Jahren gelang der Eintracht damit ein Sieg am 1. Spieltag einer Saison.
Foto: DFL/Getty Images/Boris Streubel