Glaube und Profisport sind kein Widerspruch

Memo Aydin über den Fastenmonat Ramadan als Profifußballer

Wenn für Muslime weltweit aktuell der Ramadan läuft, ist dies eine Zeit der Besinnung, des Verzichts und der besonderen inneren Stärke. Auch für Profifußballer wie Memo Aydin bedeutet der Fastenmonat eine zusätzliche Herausforderung im ohnehin anspruchsvollen Alltag eines Leistungssportlers. Wie der Eintracht-Akteur mit der besonderen religiösen Situation und der gleichzeitigen Belastung umgeht, hat der Defensivallrounder uns verraten.

„Es ist kein Geheimnis, dass es für den Körper anstrengender ist, wenn man über viele Stunden nichts isst und trinkt“, erklärt Aydin offen. Gerade im Profifußball, wo höchste Intensität, Ausdauer und Konzentration gefragt sind, stellt das Fasten eine besondere Belastung dar. Doch für den 24-Jährigen ist es vor allem eine Frage der Gewöhnung: „Wenn der Körper sich daran gewöhnt hat, ist es gut machbar.“ Neben der körperlichen Komponente hebt Aydin besonders die mentale Kraft hervor, die ihm der Ramadan gibt. Durch die religiöse Verbundenheit fühle er sich sogar gestärkt. Der Monat sei kein Zeitraum des Leidens, sondern einer, den man genieße, trotz der zusätzlichen Belastung.

Was bedeutet „Ramadan“?

Doch was passiert in dieser Zeit genau? Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders und besitzt für Muslime eine herausragende religiöse Bedeutung. In dieser Zeit verzichten gläubige Musliminnen und Muslime täglich von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Nahrung, Flüssigkeit und weitere weltliche Bedürfnisse. Das Fasten steht dabei für bewusste Selbstbeherrschung und die vertiefte Hinwendung zu Gott. Zugleich soll es das Bewusstsein für Menschen in Not schärfen und die eigene Spiritualität festigen. Auch bei den Blau-Gelben halten gleich mehrere Profis trotz der hohen körperlichen Anforderungen am Ramadan fest. Dazu gehören nebst Aydin seine Teamkollegen Faride Alidou, Anas Bakhat, Andi Hoti, Elhan Kastrati und Torwarttrainer Jasmin Fejzic.

Kaum Anpassungen und viel Akzeptanz

Im Trainings- und Spielbetrieb macht Aydin während des Ramadans keine Abstriche. „Ich trainiere ganz normal, lasse nichts weg oder mache mehr oder weniger. Meine Trainings- und Spielintensität ist unverändert“, betont er. Für ihn ist klar, dass die religiösen Pflichten an erster Stelle stehen. Doch das bedeutet nicht, dass die berufliche Leistung darunter leiden muss. „Man kann beides gut hinbekommen.“ Eine wichtige Rolle spielt dabei das Umfeld. Bei den Löwen fühlt sich Aydin bestens aufgehoben. „Vor allem, dass der Trainer das respektiert, ist sehr wichtig“, sagt er. Nicht überall habe er diese Erfahrung gemacht. Umso mehr schätzt er die Haltung in Braunschweig: „Hier respektieren das alle und unterstützen es auch. Die Mannschaft und das Trainerteam machen es den Spielern, die fasten, so einfach wie möglich.“

Auch die von der Deutschen Fußball Liga (DFL) ermöglichten kurzen Spielunterbrechungen zum Sonnenuntergang sind für ihn ein starkes Zeichen der Wertschätzung. In der vergangenen Saison erlebte Aydin bereits einen solchen Moment: „Der Schiedsrichter hat das Spiel für mich und zwei andere Spieler unterbrochen. Das war sehr besonders, wir waren sehr dankbar.“ Dass selbst auf Bundesliga-Ebene Rücksicht genommen werde, bedeute den muslimischen Spielern viel.

Struktur, Planung und Regeneration

Entscheidend für die Leistungsfähigkeit während des Ramadans ist eine präzise Planung. „Wenn man Schlaf und Ernährung gut plant, ist die Regeneration nicht schlechter“, erklärt Aydin. Trotz des Fastens achte er darauf, auf seine notwendigen Kalorien zu kommen und seine Mahlzeiten sinnvoll zu strukturieren. Seit drei Jahren verfolgt er ein eigenes Ernährungskonzept, mit dem er seine körperlichen Anforderungen erfüllt. Auch ausreichend Schlaf sei ein zentraler Baustein. „Man braucht einen guten Plan und muss diesen durchziehen“, so der gebürtige Würseler.

Für Aydin hat der Ramadan eine klare Priorität: „Ich glaube, dass ich für alle Muslime spreche, wenn ich sage, dass die Religion bei uns an erster Stelle kommt.“ Das Fasten sei mit wenigen Ausnahmen eine religiöse Pflicht und eine der zentralen Säulen des Glaubens. Gleichzeitig betont er, dass eben dieses aktive Praktizieren des Glaubens und die gleichzeitige Ausübung eines Profisports kein Widerspruch ist. Der Ramadan gebe ihm eben Kraft, Struktur und innere Stärke. Und davon kann er auf und neben dem Platz nur profitieren.

Neben dem Ramadan hat sich Aydin für eine dauerhafte Veränderung bei seiner Spieltagskleidung entschieden: Bereits seit Jahresbeginn läuft er ausschließlich mit langer Unterhose auf – und wird dies auch über den Ramadan hinaus tun. Als muslimischer Mann bedeckt er so den Bereich zwischen Bauchnabel und Knien. Es ist ein bewusstes Zeichen von Respekt gegenüber Gott, sich selbst und seinen Mitmenschen. Die lange Hose steht für Würde und Bescheidenheit, Werte, die sich für Aydin nicht nur im Inneren widerspiegeln, sondern auch im Auftreten nach außen.