"Natürlich mit Mitch"
Der DSC Arminia Bielefeld in der Vorschau
Ein Punkt Abstand auf die Abstiegsränge. Der Aufsteiger aus Ostwestfalen steckt weiter tief im Kampf um den Klassenerhalt. Trotz dessen empfängt Arminia Bielefeld die Eintracht am kommenden Sonntag eigentlich mit ordentlich moralischem Rückenwind. Die Hausherren haben in den vergangenen Wochen gezeigt, dass sie auch Rückstände noch umbiegen können. Gegen die Löwen wartet nun die nächste Gelegenheit auf das Team von Chefcoach Mitch Kniat, nach acht sieglosen Pflichtspielen wieder ein Erfolgserlebnis zu feiern.
Wissenswertes
- Comeback-Vizekönige: In den vergangenen beiden Partien bewiesen die Arminen große Comeback-Qualitäten, als sie sowohl gegen Holstein Kiel nach einem 0:2-Rückstand noch ein 2:2 erreichten als auch in Dresden nach dem 0:1 noch ausglichen. Insgesamt zeigte Bielefeld in dieser Saison schon sechsmal nach Rückständen Moral und sammelte Punkte. Nur der Lokalrivale Preußen Münster war darin noch erfolgreicher.
- Ruhendes Leder: Ein besonderes Faustpfand der Arminia bleiben Standardsituationen. Drei der bislang letzten fünf Treffer resultierten aus Elfmetern, insgesamt erzielte Bielefeld bereits zwölf Tore nach ruhenden Bällen – so viele wie kein anderes Team der Liga. Damit traf der DSC nach Standards sogar dreimal so häufig wie die Eintracht.
- Effektivität wird groß geschrieben: Sowohl die Hausherren als auch die Löwen zählen zu den Teams mit den wenigsten herausgespielten Großchancen. Die Eintracht kommt ligaweit auf den niedrigsten Wert mit 16, die Arminia auf 20. Dennoch überzeugen beide Mannschaften durch ihre Effizienz: Bielefeld verwertet mit 65 Prozent die meisten Großchancen in der Liga, während die Blau-Gelben auf Platz drei liegen.
Unter Beobachtung
- Mael Corboz: Der Kapitän im zentralen Mittelfeld ist das Laufwunder der 2. Bundesliga. Insgesamt 257,4 Kilometer sind der ligaweite Top-Wert. Kein Spieler legte eine höhere Distanz zurück. Kein Wunder also, dass er als einer von vier Akteuren in der 2. Bundesliga noch keine Minute von den bisherigen 20 Spieltagen auf dem Feld verpasst hat.
- Joel Grodowski: Der 28-Jährige ist der Top-Torjäger der Bielefelder, acht Buden kann der Angreifer auf sich verbuchen. Für die Ostwestfalen hat er am meisten Torschüsse abgegeben (32) und geht am häufigsten ins Dribbling. 25 seiner 32 Abschlüsse suchte er dabei übrigens innerhalb des gegnerischen Sechzehners.
- Maximilian Großer: Der Abwehrrecke ist mit seinen 1,92 Metern Körpergröße prädestiniert für Luftzweikämpfe. Und genau da schmeißt er sich immer wieder rein. 148-mal ging er ins direkte Duell in die Höhe, 61,5 Prozent gewann er davon. Neben seinen zwei Toren spielt er zudem die meisten Pässe bei den Bielefeldern mit einer Passquote von fast 90 Prozent (88,5).
Die Lage
Mit einer Serie von sieben sieglosen Spielen im Gepäck reiste die Arminia am vergangenen Sonntag zu Dynamo Dresden. Zwar deutete zur Halbzeit alles auf eine weitere Niederlage für den DSC hin, am Ende konnte das Team vor allem dank einer Leistungssteigerung im zweiten Durchgang jedoch noch ein 1:1-Unentschieden sichern. “Im Endeffekt ist heute alles gut, außer das Ergebnis. Wenn du so spielst und am Ende auch so dominierst, dann muss auch irgendwann ein Dreier herauskommen”, erläuterte Chefcoach Mitch Kniat nach der Partie im Interview. Trotz des erneuten verpassten Befreiungsschlags gab es nach dem positiven Auftritt auch Rückendeckung von Sportdirektor Michael Mutzel für den Aufstiegstrainer der Gastgeber. Man wolle den Bock “natürlich mit Mitch” umstoßen. Geduld sei wichtig, bis die Neuzugänge sich vollständig integriert haben und erste Erfolge zurückkommen. Die Winter-Transferperiode brachte nämlich gleich vier neue Spieler, die beim Remis in Elbflorenz auch allesamt sofort in der Startelf standen. Innenverteidiger Maximilian Bauer und Robin Knoche überzeugten, während die offensiven Neuzugänge Jannik Rochelt und Semir Telalovic noch weniger Impulse setzen konnten. So schwebt aktuell der eine Punkt Vorsprung auf die direkten Abstiegsplätze wie ein Damoklesschwert über der Arminia. Dabei kamen die Blau-Gelben dem DSC als Gegner zuletzt leider gelegen - zumindest statistisch. Denn gegen die Eintracht blieb die Arminia seit sechs Aufeinandertreffen ungeschlagen.
Letzte Begegnung
Das Hinrundenduell zwischen beiden Teams war von Beginn an intensiv und taktisch geprägt. Nach einem aktiveren Start der Gäste aus Bielefeld entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel mit wenigen klaren Chancen. Die beste Möglichkeit vor der Pause hatte Erencan Yardimci, dessen Treffer wegen Abseits aberkannt wurde. Zudem überzeugte Eintracht-Keeper Thorben Hoffmann mit mehreren starken Paraden. Nach dem Seitenwechsel musste die Eintracht durch den Ausfall von Lukas Frenkert verletzungsbedingt umstellen, verteidigte jedoch weiterhin leidenschaftlich. In einer Phase mit wenig Offensivaktionen nutzten die Löwen einen schnellen Konter zur Führung: Christian Conteh setzte sich durch, umkurvte Bielefelds Keeper Jonas Kersken und traf in der 64. Minute zum 1:0. In der Schlussphase geriet die Eintracht zunehmend unter Druck und konnte den knappen Vorsprung nicht über die Zeit bringen. Nach einer unglücklichen Abwehraktion vor dem eigenen Tor erzielte Young kurz vor Schluss den Ausgleich für die Gäste aus Ostwestfalen. Am Ende stand ein hart umkämpftes 1:1 für die Braunschweiger, das von vielen taktischen Anpassungen, großem Einsatz und einer defensiv geprägten Spielweise bestimmt war.
Foto: Stefan Kastner