125 Jahre Eintracht Braunschweig

Meyer: "Wir haben eine gute Mentalität und Frustrationstoleranz"

Pressekonferenz vor der Partie gegen den KSC

Nach der Länderspielpause steht für die Löwen wieder der Alltag in der 2. Bundesliga an. Am Samstag um 13 Uhr geht es im EINTRACHT-STADION an der Hamburger Straße gegen den Karlsruher SC. Die Badener haben in dieser Saison einen Punkt weniger geholt als die Löwen und sind einen Tabellenplatz hinter der Eintracht. Vor der Partie saßen Chef-Trainer Daniel Meyer und Verteidiger Robin Ziegele bei der Pressekonferenz auf dem Podium. Dabei sprachen sie über…

die Corona-Fälle in der Länderspielpause:

Meyer: “Das hat natürlich eine Wirkung bei uns allen hinterlassen. Das Thema ist ohnehin präsent. Es ist aber nochmal eine andere Situation, wenn es Teamkollegen betrifft und zwei Personen aus dem Trainerstab in Quarantäne müssen. Insgesamt sensibilisiert es mehr für die Themen und Auflagen, unter denen wir unseren Job ausüben. Die Normalität war erstmal weg. Bis zur Nachtestung hat man Sorge, weil man nicht weiß, ob sich weitere Spieler infiziert haben und es seine Kreise in der Mannschaft zieht. Mit dem Zeitpunkt in der Länderspielpause hatten wir Glück im Unglück, weil wir auf die Bremse treten konnten und mit dem Training pausiert haben. Wir haben dann in Kleingruppen trainiert, weil kein Spiel anstand. Dazu kam noch die Konkretisierung auf die Reha-Gruppe, sodass kaum Querkontakt zum Rest des Teams stattgefunden hat. Es war definitiv eine komische Woche, aber wir haben wieder ein normales Mannschaftstraining und konnten den Fokus auf den KSC legen.

…die Nichtveröffentlichung von den Namen der infizierten Spieler:

Meyer: “Die Spieler möchten es in diesem Fall nicht. Dann ist es einfach Thema des Datenschutzes. Wir sind nicht berechtigt gegen den Willen der Spieler Namen bekannt zu geben.“

die personelle Situation:

Meyer: “Wir müssen am Samstag auf Suleiman Abdullahi, Leon Bürger, Martin Kobylanski, Nico Klaß, Niko Kijewski und Iba May verzichten.“

…den Ausfall von Martin Kobylanski:

Meyer: “Ich tue mich schwer damit, jemanden auf ein Podest zu heben. Wir wussten, es wird sowieso ein spannendes Jahr mit den wenigen Pausen im Kalender und unseren bisherigen Verletzungssorgen. Wir machen uns aber nicht von einzelnen Spielern abhängig.  Es ist immer die Frage, ob wir in der Lage sind als Team zu funktionieren. Wir haben sehr unterschiedliche, gute Spieler, die durch eine andere Herangehensweise Dinge kompensieren können. Gerade Manuel Schwenk und Patrick Kammerbauer konnten beispielsweise Werbung für sich machen. Wir beschäftigen uns immer mit den Jungs, die zur Verfügung stehen.“

…die Startelfchancen von Yari Otto:

Meyer: “Einige Spieler haben wenig Erfahrung auf dem Niveau der 2. Bundesliga. Yari ist sehr fleißig und kann sich ran arbeiten. Er liefert immer ab, wenn man ihn einwechselt. In der Startelf oder als Stammspieler ist es aber nochmal etwas anderes. Wir sind zudem im Angriff qualitativ ordentlich besetzt. Er nimmt den Kampf dennoch an. Wir sind froh, Yari als Waffe in der Hinterhand zu haben. Wenn du ihn bringst, ist er immer torgefährlich. Das ist im Moment seine Rolle. Man muss den jüngeren Spielern auch die Zeit geben, sich zu entwickeln. Für ihn ist es in dieser Saison aber bisher keine schlechte Quote.“

die Erwartungen von der Partie:

Meyer: “Wir haben schon Respekt, weil der KSC uns eine Saison in der 2. Bundesliga voraus ist. Sie haben schon in der vergangenen Spielzeit die Prüfung Klassenerhalt bestanden und konnten in der zweiten Liga bleiben. Jetzt haben sie im Sommer das Team gezielt verstärkt. Vorne weg mit Jerome Gondorf und auch mit Philip Heise auf der linken Seite. Das zeigt, dass sie den nächsten Entwicklungsschritt gegangen sind. Der KSC hat viel Erfahrung was das Thema „Abstiegskampf“ angeht. Sie besitzen außerdem eine gewisse Ruhe, was die Spiele betrifft. Sie wissen, dass die Partien kommen, wo sie punkten können. Es kann ein kompliziertes Spiel werden, da Teams wie Karlsruhe einem wenig anbieten und geschlossen agieren. Wir müssen viel investieren und sind sicher, dass wir die Mittel haben, um dem KSC weh zu tun.“

Ziegele: “Sie sind zwar ein direkter Konkurrent, aber ich denke, dass gegen jeden Gegner der Ansporn hoch sein muss. Wenn man auf die Tabelle schaut, will man sich in der Partie aber natürlich noch mehr reinhauen und mit einer höheren Konzentration spielen. Es wird ein intensives Spiel.“

…den Torjäger der Badener und Ex-Löwen Philipp Hofmann:

Meyer: “Er ist ein Zielspieler und Ausgangspunkt für viele Angriffe des KSC. Wir haben den Jungs gezeigt, womit zu rechnen ist, wie er Bälle verarbeitet und was die Spielfortsetzung ist. Zudem schauen wir, wie wir das Anspiel verhindern und zweite Bälle aufnehmen können. Natürlich ragt Hofmann in der Karlsruher Mannschaft durch seine Effektivität heraus, aber man darf es nicht überbewerten.“

Ziegele: “Es ist ein Ansporn dafür zu sorgen, dass er am Samstag kein Tor schießt. Ich habe viel Gutes über Philipp Hofmann gehört. Er ist ein sehr robuster Spieler und kennt seine Stärken. Ich werde versuchen, ihm wenig Platz zu lassen, sodass er diese Stärken nicht entfalten lassen kann. Wir haben einen guten Plan und müssen daran arbeiten, diesen konsequent durchzuziehen.“

die bisherige Saison von Robin Ziegele:

Ziegele: “Für mich persönlich ist es natürlich gut, dass ich so viel Spielzeit wie möglich bekomme. Dementsprechend gebe ich weiter Gas. Natürlich will ich verletzungsfrei bleiben, das ist das Wichtigste. Auf jeden Fall möchte ich an die bisherigen Leistungen anknüpfen, sodass ich in den folgenden Partien wieder auf dem Platz stehe.“

…die Variationen zwischen Dreier- und Viererkette:

Ziegele: “Ich fühle mich in der Dreierkette wohler, weil ich das auch mehrere Jahre in Wolfsburg gespielt habe. Ich komme mit dem System gut klar und weiß worauf es ankommt.“

…die Häufigkeit von frühen Gegentoren:

Meyer: “Wir brauchen kein Gegentor um ins Spiel zu finden. Wenn man sich die Statistiken und Daten anschaut, sind unsere frühen Gegentreffer häufig einfach unglücklich. Ich würde das nicht darauf schieben, dass wir schlafmützig sind. Positiv ist, dass wir nie weggebrochen sind und immer in der Lage waren noch einen Gang hochzuschalten. Zudem haben wir mehrmals in der Nachspielzeit das letzte Wort gehabt. Wenn wir am Ende noch Punkte holen, dann kann ich auch die frühen Gegentore ertragen.“

…die Geisterspiele auswärts und im eigenen Stadion:

Meyer: “Wir haben den Vorteil gehabt, dass bisher immer Zuschauer bei unseren Heimspielen zugelassen waren. Es ist schon ein Unterschied, wenn du eine Rückkopplung von der Tribüne bekommst. In Sandhausen war es fast schon gespenstisch, wenn du das leere Stadion betrittst, in dem nicht mal Musik gespielt wird. Die Herangehensweise hat aber nichts mit Heim- oder Auswärtsspiel zu tun, sondern mit der konkreten Spielidee für den jeweiligen Gegner. Du musst anders Spannung aufbauen, wenn es das Ambiente nicht hergibt. Das ist natürlich anders wenn das Stadion voll ist. Wir sind mittlerweile aber alle eine Weile in der Situation. Die Grundanspannung muss aus anderen Dingen gezogen werden. Das ist leider zur Routine geworden.“

…ein Zwischenfazit der bisherigen Spielzeit:

Meyer: “Es war ein großes Thema in der Vorbereitung, dass wir von Beginn an in der Lage sein müssen, zu punkten. Man darf nicht den Anschluss verlieren, weil dann der Druck entsteht. Wir haben als Gruppe eine Menge erlebt: der Pokalsieg gegen Hertha, die bittere Derbyniederlage, die frühen Rückstände, die gedrehten Spiele, viele positive und negative Erlebnisse. Punktemäßig liegen wir im Soll. Die 2. Bundesliga ist sehr eng und wir fühlen uns wettbewerbsfähig. Es wird immer auch Rückschläge geben, aber wir sind als neue Gruppe sehr schnell zusammengewachsen. Wir haben insbesondere eine gute Mentalität und Frustrationstoleranz. Das stimmt mich für die nächsten Wochen optimistisch. Es geht jetzt darum, bis Weihnachten eine Tendenz anzuzeigen, wo man sich hinbewegt. Stand jetzt bin ich total zufrieden. Es sind viele unkalkulierbare Dinge passiert, da bleiben wir aufmerksam. Insgesamt sind wir aber im Soll.“

Fanfragen:

Löwenjunge möchte von Robin Ziegele wissen, ob er in einer Dreierkette lieber als rechter oder linker Innenverteidiger spielt?

Ziegele: “Ich sehe mich eher rechts. Das ist auch mein starker Fuß. Da fühle ich mich wohler.“

Foto: Nina Stiller