"Sind bestrebt, den Umbruch nicht zu groß werden zu lassen"

Sport-Geschäftsführer Benjamin Kessel gibt Ein- und Ausblick

Unmittelbar nach dem geglückten Klassenerhalt startete das sportliche Führungsteam rund um Sport-Geschäftsführer Benjamin Kessel und Cheftrainer Lars Kornetka in die detaillierte Saisonanalyse sowie die Finalisierung der Planungen für die kommende Spielzeit.

Am gestrigen Dienstag nahmen sich beide Zeit für eine ausführliche Medienrunde, um einen transparenten Ein- und Ausblick zu geben. Im mehr als einstündigen Format wurden zahlreiche Themen besprochen. Wir zitieren auszugsweise und beginnen mit unserem Sport-Geschäftsführer.

Sport-Geschäftsführer Benjamin Kessel sprach unter anderem über…

…die Aufarbeitung der Hinrunde:
“Nach dem Spiel auf Schalke ist Lars in Braunschweig geblieben, das war uns extrem wichtig, um die Saison und den Kader nochmal im Detail durchzugehen. Es ist wichtig, nicht nur eine Phase zu analysieren, sondern die gesamte Saison aufzuarbeiten. Es war schon so, dass wir im Sommer schon mit einer schlagkräftigen Truppe, zwei Siegen und dem tollen Pokalspiel gegen Stuttgart gestartet sind. Dann kam aber ein Bruch, der ein Stück weit auch selbstverschuldet war, mit vielen individuellen Fehlern und Roten Karten. Dazu die Verletzungen von Schlüsselspielern wie Lukas Frenkert und Lino Tempelmann. Nach der Hinrunde war es ein Fehler, der Mannschaft so lange freizugeben. Es war auch dem geschuldet, dass wir das als Belohnung für Siege bis Weihnachten ausgesprochen haben. Trotzdem war die Zeit zu lang.”

…die Winterpause:
“Wir sind da selbstkritisch mit uns. Es war ein Fehler, nicht ins Trainingslager zu fahren. Bei den Witterungsbedingungen vor Ort fand eigentlich überhaupt keine Vorbereitung auf die Rückrunde statt. Und mit Sicherheit war der Umbruch im Winter ein Stück weit zu groß. Wir hatten allerdings auch viele unzufriedene Spieler, die aktiv auf uns zugekommen sind. Da muss man abwägen, ob es Sinn ergibt, ihn zu halten oder den Weg freizumachen. Klar ist, dass es uns nicht gelungen ist, den Abgang von Chris Conteh nach Heidenheim - der wirtschaftlich alternativlos war - eins zu eins zu ersetzen. Das Loch in der Offensive, grade was das Scoring angeht, haben wir nicht schließen können.” 

…der Trainerwechsel im März:
“Der Trainerwechsel war in diesem Moment wichtig und richtig. Mit Lars kam eine neue Energie in die Gruppe und ein neuer inhaltlicher Weg, wie wir Fußball spielen. Wir haben es geschafft, auch mehr über fußballerische Lösungen zu kommen und trotzdem, grade im Hinblick auf die Drucksituation am Saisonende, auch mal pragmatisch zu spielen - wie gegen Kaiserlautern und ein Stück weit auf Schalke, wo wir nicht All-in gegangen sind.
Mit Lars haben wir einen Trainer gefunden, der total zur Eintracht passt und wo wir von Tag eins an gemerkt haben, dass eine ganz große Vertrauensbasis und Commitment füreinander da ist.” 

die Kaderplanung für die kommende Saison:
“Wir haben ein Fundament, auf dem wir aufbauen können und Spieler unter Vertrag, die insbesondere am Saisonende Leistungsträger waren. Wir sind bestrebt, den Umbruch nicht zu groß werden zu lassen. Mit Lars haben wir einen Trainer über den Sommer hinweg, wir können viel strukturierter planen als vergangenes Jahr. Wir haben schon mit vielen potentiellen Neuzugängen gesprochen und für uns Spielerprofile definiert, die uns in diesem Jahr gefehlt haben. Wir sind auch da bestrebt, die Personalfragen größtenteils schon bis zum Trainingsauftakt im Juli gelöst zu bekommen."

…die Offensivabteilung der Eintracht:
“Wenn man unsere geschossenen Tore sieht und Memo Aydin und Erencan Yardimci mit jeweils fünf Toren die Top-Stürmer waren, dann wissen wir, an welchem Hebel wir anzusetzen haben. Aber wir können in Braunschweig keinen Spieler holen, der dir 15 Tore garantiert. Wir müssen jedoch dahinkommen, dass wir die ein, zwei Spieler finden, die wir dahin entwickeln. Das ist der Auftrag, den wir an uns gestellt haben.” 

…eine genaue Zielsetzung für die kommende Saison: 
“Ich bin weit davon entfernt - ohne, dass wir bisher einen Neuzugang präsentiert haben - eine konkrete Zielsetzung rauszugeben für das nächste Jahr. Aber klar ist, dass wir aus dem tabellarischen Hamsterrad raus und die nächsten Schritte gehen wollen. Ich glaube schon, dass wir hohe Ansprüche an uns selbst haben, vielleicht schon nächstes Jahr positiv überraschen zu können.” 

die Zukunft der Leihspieler:
„Sanoussy Ba wird die Vorbereitung - Stand jetzt - ganz normal bei uns absolvieren. Lars (Kornetka, Anm. d. Red.) hat ihn sich ebenfalls angeschaut und findet ihn total spannend. Wir werden ihn integrieren, da ist nichts anderes vereinbart.
Jona Borsum hat in Offenbach mit acht Toren eine gute Saison gespielt. Die Leihe hat sich ausgezahlt. Lars wird ihn im Laufe der Vorbereitung kennenlernen und dann werden wir gemeinsam besprechen, ob Jona dauerhaft oben dabei ist, die U23 an den Spieltagen verstärkt oder ob eine erneute Leihe Sinn ergibt – vielleicht zu einem Drittligisten. Das sind Themen, über die wir im Laufe des Augusts sprechen werden.
Bei Linus Queisser ist die Zukunft noch nicht ganz klar. Wir sind mit seinem Berater im Austausch, ob er den nächsten Schritt woanders gehen möchte oder möglicherweise einen ähnlichen Weg wie Jona einschlägt.
Justin Duda wurde im Laufe der Saison leider aus dem Tor genommen. In unserer aktuellen Torwartkonstellation wird es schwer für ihn, bei uns Anschluss zu finden. Darüber ist Justin über seinen Berater informiert. Nichtsdestotrotz hat er bei uns Vertrag, den wir selbstverständlich respektieren. Für ihn ergibt es aber wahrscheinlich am meisten Sinn, seinen Weg woanders fortzusetzen.“